Auch das Ostersingen, bei dem früher die ledigen Mädchen aus der Spintestube mit einem Lied auf den Lippen durchs Dorf zogen, wird noch in einigen Dörfern gepflegt. Am weitesten verbreitet ist in der Region aber die Tradition des Verzierens von Ostereiern.

Schon viele Tage vor dem Osterfest holen Eltern und Kinder die Eier hervor, um sie mit typischen sorbischen Symbolen zu bemalen. Museumsmitarbeiter geben Kurse für Jung und Alt, um deren Fertigkeiten zu verbessern. Eine Attraktion ist die große Ausstellung von Ostereiern in Drebkau (Spree-Neiße). Jedes Jahr zieht es viele Besucher aus ganz Deutschland in das kleine Museum Sorbische Webstube. Dort sind 2500 kunstvoll verzierte Ostereier aus 50 Ländern zu sehen, davon die Hälfte mit sorbischen Motiven. Der Volkskundler Lotar Balke hat sie in vielen Jahrzehnten zusammengetragen und in eine Stiftung eingebracht.

Wenn zu Hause genügend Eier bemalt sind, werden die schönsten Stücke oft bei Ostereiermärkten in der Lausitz vorgestellt und ausgezeichnet. Zum bekanntesten Markt zieht es alljährlich hunderte Menschen ins sächsische Bautzen, wo auch der Sorben-Dachverband Domowina seinen Sitz hat. Von dort ist die Cottbuser Familie Roßbach gerade mit Preisen für ihre verzierten Eier zurückgekehrt. Dennoch ruhen sie sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern bearbeiten auch in den letzten Tagen vor Ostern weitere Eier.

Mutter Dagmar und ihre erwachsene Tochter Sylke Roßbach-Schreier stellen die Utensilien für das Handwerk auf den Tisch und beginnen mit der Arbeit. Die 33-jährige Sylke mag die Wachsbossiertechnik besonders. Auf einem kleinen hölzernen Drehgestell hat sie Löffel mit einem gebogenen Stiel angebracht. Sie enthalten eine Mischung aus gefärbtem Bienen- und Kerzenwachs.

Sylke dreht das Löffelkarussell, bis der Löffel mit der gewünschten Farbe über einer kleinen Spiritusflamme ankommt. Dann taucht sie einen Federkiel mit einem zugeschnittenen Dreieck an der Spitze in das heiße Wachs und tupft ein Muster auf das Ei. "Dreiecke stellen Wolfszähne dar und Kreise symbolisieren die Familie oder die Sonne", erläutert sie. Wenn das Muster fertig ist, kann das Ei noch in verschiedenen Farben gebadet werden.

Mutter Dagmar hat sich beim Ostereierverzieren der Kratz- und der Ätztechnik verschrieben. "Diese Techniken sind hier nicht so weit verbreitet, vielleicht weil sie sehr viel Geduld erfordern", mutmaßt die 59-Jährige. Erst färbt sie die Eier und kratzt dann mit einem scharfen Gegenstand das filigrane Muster heraus, das sie zuvor aufgezeichnet hat. Bei der Ätztechnik malt sie das Muster mit einer Schreibfeder, die in verdünnte Salzsäure getaucht wird, auf das gefärbte Ei. Anschließend tupft sie die Säure ab, und das Muster tritt deutlich hervor. Die kunstvollen Eier verschenken Mutter und Tochter an Freunde und Bekannte.

Um die Traditionspflege kümmert sich in Dissen (Spree-Neiße) auch das Heimatmuseum. "Die ältesten Darstellungen über verzierte Ostereier in dieser Gegend stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts", sagt die Museumsleiterin Babette Zenker. "Früher wurden im Spreewalddorf Burg die Muster mit Speck auf die Eier gemalt und diese dann ins Farbbad getaucht, erst später nahm man Wachs". Die Museumschefin ist selbst mit Leib und Seele dabei. "Ich kann mich so richtig tief in diese Tätigkeit versenken, und die macht mich fast süchtig."

In der katholischen Lausitz hingegen gibt es zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda am Ostersonntag neun Prozessionen mit rund 1600 Reitern. Die größte davon mit über 800 Reitern ist in Wittichenau. Die Wurzeln dieses kirchlichen Brauches reichen wahrscheinlich bis in vorchristliche Zeiten zurück. Durch Feldumritte glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums wandelten sich diese Ritte wohl in christliche Prozessionen, die heute ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben darstellen.

Wer zum ersten Mal am Osterreiten teilnimmt, trägt ein Myrtenkränzchen. Zum jeweiligen Jubiläum darf sich der Reiter dann mit einer silbernen "25" beziehungsweise mit einer goldenen "50" schmücken. Alle Zuschauer sollten beim Osterreiten daran denken, dass Stille und Zurückhaltung geübt wird, während die Reiter beten und singen.