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| 19:54 Uhr

Bevölkerungsentwicklung
Ost-West-Abwanderung ebbt ab

Potsdam. Erstmals seit der Wende verlassen weniger Menschen die neuen Bundesländer. Von Andreas Wendt

Erstmals seit der Wiedervereinigung ziehen mehr Menschen von Westdeutschland in die ostdeutschen Flächenländer als umgekehrt. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) ist die lang anhaltende Tendenz der Ost-West-Wanderung gestoppt.

Ein wesentlicher Grund für die Kehrtwende ist nach Ansicht des BiB die verbesserte Arbeitsmarktsituation im Osten. „Zum einen ist die Anzahl der Beschäftigten im Osten kontinuierlich angestiegen, zum anderen scheiden gegenwärtig viele Arbeitnehmer altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus“, sagt Christian Fiedler vom Wissenschaftlichen Rat des BIB.

Die jungen, dünn besetzten Jahrgänge hätten auf dem Arbeitsmarkt gute Erwerbschancen. „Gerade für jüngere Menschen ist der ökonomische Druck, in den Westen zu ziehen, kleiner geworden. Junge Menschen aus dem Osten ziehen mittlerweile verstärkt in die boomenden Städte Ostdeutschlands wie Berlin, Dresden oder Leipzig“, erklärt der Soziologe.

Das Institut hatte für das Jahr 2017 ermittelt, dass die fünf ostdeutschen Bundesländer einen Wanderungsgewinn von rund 4000 Menschen hatten. Zählt man Berlin noch mit hinzu, ergibt sich sogar ein Überschuss von 13 000 Personen.

Dabei tun sich nach Untersuchungen des Bundesinstituts noch regionale Unterschiede auf: Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zählen zu den eindeutigen Gewinnern der West-Ost-Umzüge. Dagegen verlassen immer noch mehr Menschen Sachsen-Anhalt und Thüringen in Richtung Westen.

Unterm Strich aber scheint die lang anhaltende Tendenz der Ost-West-Wanderung gestoppt, bei der die ostdeutschen Flächenländer in den zurückliegenden 26 Jahren mehr als 1,2 Millionen Bürger durch Wegzüge an den Westen verloren haben.

Verließen 2001 noch rund 191 000 Menschen den Osten Deutschlands in Richtung Westen, waren es 2017 nicht einmal mehr 90 000. „Wanderungsverluste haben die ostdeutschen Flächenländer weiterhin bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren, bei allen anderen Altersgruppen ist der Saldo für Ostdeutschland hingegen positiv“, schätzt die Wissenschaftlerin und Geografin Nikola Sander, Forschungsdirektorin am BiB, ein.

Konkrete Zahlen für Brandenburg liegen dem Landesamt für Statistik vor: Demnach haben 2017 12 333 Menschen Brandenburg in Richtung alte Bundesländer verlassen, 11 429 zogen in die „neuen“. Im Gegenzug entschieden sich 14 190 Westdeutsche für Brandenburg als Wohnort, 10 130 wechselten aus den neuen Bundesländern hierher.

Das landesweite Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ bündelt  Rückkehrer-Initiativen in Brandenburg. Koordinatorin Sandra Spletzer sagte gegenüber dieser Zeitung: „Die Situation in Brandenburg hat sich mittlerweile gedreht – es gibt gute freie Stellen, günstigen Wohnraum, gute Kitabetreuung und gute Umweltbedingungen, viel Platz und keinen urbanen Stress.“