Und seine kommunale Baugesellschaft, die sie übernahm, ging in Insolvenz - so wie praktisch die ganze 6700-Seelen-Gemeinde Machern.
Rund 39 Millionen Euro Schulden lasten auf dem schönen Ort, knapp 6000 Euro pro Einwohner. Seit Mitte 2002 die Staatsanwaltschaft seine Amtsräume wegen des Verdachts der Untreue durchsuchte, ist Ziermaier auch nicht mehr Gemeindechef. Der Landrat des Muldentalkreises, Gerhard Gey (CDU) suspendierte ihn; seither schleppt sich ein Ermittlungsverfahren dahin.
Nur körnchenweise kommen immer neue Dinge ans Licht. Der 45-jährige regierte, wie es scheint, nicht nur wie ein Despot, hinterging den Gemeinderat, betrieb Vetternwirtschaft, kurvte privat mit dem Dienst-Pkw durch die Welt. Er nutzte sein Amt offenbar auch schamlos zur Selbstbereicherung. So fand man heraus, wer hinter der Firma Viora steckt, die für Erschließungsarbeiten 1,6 Millionen Mark von der Gemeinde kassierte: Viola und Ralf - der Bürgermeister nebst Gattin. Auch das Honorar für ingenieurtechnische Leistungen für Macherns allzu protziges neues Rathaus - gezahlt an eine Firma AI - floss wohl teils direkt in seine Taschen. Neben einem weiteren CDU-Gemeinderat war er hier stiller Teilhaber.
Doch ein korrupter Gemeindechef ist in Sachsen schwer loszuwerden, zumal wenn er offenbar noch immer den Gemeinderat hinter sich weiß. Hier handelten einige nach dem Motto: "Haltet den Dieb, er hat mein Messer im Rücken!", schimpft Uwe Richter von den Freien Wählern sarkastisch. Was er meint, sind recht eigennützige Interessenlagen einiger Volksvertreter, über die man in Machern schon seit Jahren tuschelt. So verurteilte das Ortsparlament bislang auch weder den Ex-Rathauschef, noch konnte man sich nun entschließen, seine Abwahl einzuleiten.
"Wir würden ihm nur einen Riesengefallen tun", begründete man dies und hat auch Grund dazu. Denn derzeit erhält Ziermaier noch immer die Hälfte seines Gehalts, monatlich 2500 Euro. Mit einer Enthebung bekäme er laut sächsischer Gemeindeordnung wieder für drei Monate das volle Salär und dann fünf Jahre lang gut zwei Drittel. Doch schon die 4000 Euro, die eine Abwahl durch das Volk kostet, gibt die Rathausschatulle nicht mehr her. So beschloss man noch in selber Sitzung höhere Gebühren für Krippe, Schulessen und Bibliothek. Machern steht mit 5836 Euro je Einwohner an achter Stelle der meistverschuldeten Kommunen Sachsens.
Von sich aus könne der Staat Ziermaier erst den Geldhahn zudrehen, wenn er zu mindestens einem Jahr Gefängnis verurteilt werde, sagt der Leipziger Oberstaatsanwalt Norbert Röger. Doch so weit sei es noch lange nicht. Freilich gäbe es noch zwei weitere Wege, die Sache sauber zu bereinigen. Die eine wäre ein freiwilliger Rücktritt des Dorfchefs, der daran aber offenbar nicht im Schlafe denkt. Die andere hieße Neuwahlen nach dem geschlossenen Abdanken des Gemeinderates. Aber das lehnen die meisten Volksvertreter ab. Es stört sie offenbar auch nicht, dass sich ihre Rolle während Ziermaiers Alleinherrschaft immer zwielichtiger darstellt. Gleich reihenweise sind etwa Sitzungsprotokolle des Wirtschaftsbeirates verschwunden.
Der Beschuldigte sieht sich indes zu Unrecht verfolgt. Gegenüber dem Landrat wies er alle Vorwürfe pauschal zurück. Seither schweigt er beharrlich. Nur in einem Punkt ließ sich Ziermaier zuletzt wiederholt vernehmen: Er beschwerte sich, dass ihm der Landrat verboten hat, eine neue "Beraterfirma" zu gründen, um sich so nebenher noch etwas hinzuverdienen zu können.