Angehörige würden bei der Pflege oft unter großen persönlichem Verzicht enorme Lasten tragen. Die Familienpflege solle deshalb finanziell besser gestellt und fachlich begleitet werden. Ende 2005 wurden in Sachsen 39 921 Menschen in stationären Einrichtungen und 31 310 Personen daheim betreut.
Ähnlich wie beim Erziehungsurlaub sollen nach den Vorstellungen der Ministerin pflegende Angehörige ein Recht auf Freistellung von der Arbeit haben. "Die Pflegezeiten müssen sich auch bei der Rentenberechnung widerspiegeln", forderte sie. Umfragen zufolge wollen mehr als 85 Prozent der Menschen ihren Lebensabend zu Hause verbringen. Das Heimaufnahmealter liegt in Deutschland inzwischen durchschnittlich bei 85 Jahren.
Das gegenwärtig vorbereitete sächsische Pflegegesetz wird ambulante Pflege und Betreuung gegenüber der stationären stärken, kündigte die Ministerin an. Die finanzielle Schere habe sich über die Jahre zugunsten der Heime weit geöffnet, das werde sich ändern. "Wir können keine zusätzlichen Mittel akquirieren", sagte sie. Das Gesetz werde auch alternative Wohnformen für Ältere fördern. Mit dem Innenministerium sollen entsprechende städtebauliche Projekte auf den Weg gebracht werden.
Die Ministerin kritisierte das gegenwärtige Finanzierungssystem der Pflege als unausgewogen. Für die Versorgung eines Menschen in Einrichtungen stehe im Schnitt mehr als doppelt so viel Geld zur Verfügung wie in der Familienpflege beziehungsweise im ambulanten Bereich. Die Versorgung im heimischen Umfeld setze jedoch eine entsprechende Ausstattung voraus.
Häusliche Pflegearbeit solle auch inhaltlich aufgewertet werden. "Das fachliche Wissen Angehöriger über Krankheitsverläufe darf man nicht dem guten Willen Einzelner überlassen", sagte Orosz. Das betreffe auch dem Umgang mit psychischen Belastungen. Auch dazu solle es mehr kostenlose Weiterbildungen geben. Mehr Angebote zur Kurzzeit- oder Tagespflege sollen darüber hinaus Angehörigen mehr Flexibilität ermöglichen.
Ende 2005 erhielten 71 231 Sachsen (1,7 Prozent der Bevölkerung) Leistungen nach dem Pflegegesetz - das waren 2877 mehr als zwei Jahre davor. Rund 79 Prozent aller Pflegebedürftigen in Heimen oder bei Pflegediensten sind 75 Jahre und älter. In 648 Heimen und Einrichtungen arbeiten 26 296 Beschäftigte in der Pflege und bei 913 Pflegedienste insgesamt 133 762 Angestellte.