Die Baustelle der Dresdner Frauenkirche. Die Kirche erhält nach einem einstimmigen Beschluss des Stiftungsrats zum Wiederaufbau des Gotteshauses eine moderne Orgel.Bernhard Walter, der Vorsitzende des Stiftungsrates, sprach gestern in Dresden von einer demokratischen Entscheidung, der sich auch die Befürworter eines originalen Nachbaus des zerstörten Silbermann-Instruments beugen müssten.
Um den Bau der Frauenkirchen-Orgel war in den vergangenen Jahren mit heftiger Erbitterung gestritten worden. Während die Frauenkirchen-Stiftung für den Bau eines zeitgemäßen Instrumentes plädiert, in Anlehnung an die von Gottfried Silbermann einst vorgenommene Disposition, kämpft eine Initiative Pro-Silbermann für eine Orgel, die sich auch in ihrem Klangbild möglichst nahe an dem 1945 zerstörten Original orientieren soll.
Bereits vor etwa einem Jahr hatte es eine Entscheidung der Stiftung zu Gunsten Kerns gegeben, die dann aber wieder zurückgestellt wurde. Die Dussmann-Stiftung hatte die von ihr zugesagte Finanzierung des Orgelbaus von rund 1,5 Millionen Euro zurückgezogen. Stifter Peter Dussmann wollte das Geld nur für einen möglichst originalgetreuen Nachbau der Silbermann-Orgel von 1736 zur Verfügung stellen. Daraufhin war zunächst nach einem Kompromiss gesucht und der Bau einer Orgel in Aussicht gestellt worden, die sich an Silbermann orientieren und in der Stimmlage veränderbar sein sollte.
Mit ihrer Entscheidung ist der Stiftungsrat von diesem Kompromiss nun wieder abgerückt. Vom Konzept Kerns werde ein „eigenständiger Beitrag zum Orgelbau erwartet“ , sagte Walter, weil es „Silbermannsche Elemente nicht imitiere, sondern reflexiv auf das Werk Bezug“ nehme. Die Finanzierung der Orgel durch Dussmann spielt nun offensichtlich keine Rolle mehr. Walter zufolge liege die Entscheidung zur Mitfinanzierung bei Dussmann. Die Frauenkirchenstiftung werde dessen ungeachtet wegen der Orgel kein Finanzierungsproblem bekommen, derzeit gebe es Gespräche mit einem weiteren Großsponsor. Einen negativen Einfluss auf das Spendenverhalten erwarte er nicht. Derzeit gebe es nur eine Spende von 10 000 Euro, die zweckgebunden für den Bau der Silbermann-Orgel gegeben worden sei.
Die Entscheidung des Frauenkirchen-Stiftungsrates ist von der Dresdner Bundestagsabgeordneten Marlies Volkmar (SPD), die sich in der Pro-Silbermann-Gruppe engagiert, heftig kritisiert worden. Volkmar sprach von einem „Affront gegen das traditionsreiche sächsische Orgelbauhandwerk“ . Der Orgelbauer Christian Wegscheider, ebenfalls von „Pro-Silbermann“ , sprach von der „mit Abstand schlechtesten Entscheidung“ , die getroffen wurde. Die neue Orgel sei ein Konglomerat verschiedener Stile, die Frauenkirche werde damit zu einer „Mehrzweckhalle“ degradiert. Das sei, als ob in der wichtigsten protestantischen Kirche die Predigt künftig auf französisch stattfinde. Formal sei die Entscheidung des Stiftungsrates zwar demokratisch zustande gekommen, in der Sache aber sei sie moralisch verwerflich.