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Organisierte Kriminelle jagen in Deutschland immer mehr Geldautomaten in die Luft

Diese Gasflaschen wurden von der Polizei in der Nacht zum 22. Februar nach der versuchten Sprengung eines Geldautomaten in Hagen (NRW) sichergestellt. Die Kölner Polizei hat eine mutmaßliche Räuberbande festgenommen, die in den vergangenen Wochen mindestens vier Geldautomaten gesprengt haben soll.
Diese Gasflaschen wurden von der Polizei in der Nacht zum 22. Februar nach der versuchten Sprengung eines Geldautomaten in Hagen (NRW) sichergestellt. Die Kölner Polizei hat eine mutmaßliche Räuberbande festgenommen, die in den vergangenen Wochen mindestens vier Geldautomaten gesprengt haben soll. FOTO: Polizei Nordrhein-Westfalen Köln
Falkenberg/Wiesbaden. In Deutschland werden immer mehr Geldautomaten gesprengt. In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres seien 256 Automaten von den Tätern zerstört worden, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch mit. Frank Hilbert

Die Ermittler erwarten, dass sich die Fallzahlen im Gesamtjahr 2016 im Vergleich zum Jahr 2015 verdoppelt haben - damals waren 157 Automaten gesprengt worden. Endgültige Zahlen für 2016 gibt es noch nicht. Auch in Nordrhein-Westfalen haben Attacken auf Geldautomaten drastisch zugenommen. Das dortige Landeskriminalamt verzeichnete 2016 bislang 132 Anschläge, 59 davon sind misslungene Versuche. 2015 gab es 67 Sprengungen und Versuche.

In Brandenburg sind im vergangenen Jahr 28 Automaten explodiert. In zwölf Fällen kam es zu versuchten Sprengungen. 2015 gab es neun Fälle. Der jüngste Fall in Brandenburg hat sich am Donnerstagmorgen in Falkenberg/Elster im Elbe-Elster-Kreis ereignet. Gegen 3.15 Uhr haben Unbekannte zwei Geldausgabeautomaten der Sparda-Bank-Filiale in der Stadt gesprengt.

Zu Wochenbeginn haben Spezialeinsatzkräfte fünf Tatverdächtige nach der versuchten Sprengung eines Geldautomaten in Hagen im Ruhrgebiet festgenommen. Dem gingen Ermittlungen seit Oktober 2016 voraus. Bei allen Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um niederländische Staatsbürger, die offenbar regelmäßig zur Tatausführung einreisten.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand können der Bande etwa ein Dutzend Taten zugerechnet werden. Bei der Durchsuchung in fünf von den Automaten-Gangstern angemieteten Garagen in Hagen, Wuppertal, Duisburg, Dormagen und Köln sowie in einer Wohnung in Duisburg wurden zwei Pkw, ein Kleinlastwagen, zwei Roller, Bekleidung, Gasflaschen sowie Krähenfüße wie sie am Mittwoch auch in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) eingesetzt wurden, sichergestellt.

Bevorzugte Ziele der Täter seien laut BKA Geldautomaten, die entweder frei aufgestellt oder in frei zugänglichen Bankfilialen angebracht sind. Die Tatorte liegen nach Auskunft der Ermittler überwiegend in ländlichen Regionen und weisen gute Verkehrsanbindungen auf.

Im Regelfall würden die Automaten nachts zwischen 24 Uhr und 5 Uhr gesprengt. An der Tat seien meistens zwei bis vier Personen beteiligt. Um einen Geldautomaten sprengen zu können, bräuchten die Täter fundiertes Wissen über die Sprengmittel, das ihnen von Bandenmitgliedern vermittelt werde. Bis auf einen Fall, bei dem sich ein Täter schwer verletzte, kam es in Deutschland laut BKA bisher nur zu leichten Verletzungen.