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| 02:45 Uhr

Ordner mit Neonazi-Tattoo am Oberarm im Cottbuser Energiestadion

Naziverehrung am Oberarm. Mit einem eindeutigen Tattoo stand am Sonntag ein Ordner im Stadion der Freundschaft.
Naziverehrung am Oberarm. Mit einem eindeutigen Tattoo stand am Sonntag ein Ordner im Stadion der Freundschaft. FOTO: zVg
Cottbus. Seit Jahren tauchen immer wieder Hinweise auf, dass in den Ordnerwesten des FC Energie Cottbus gelegentlich auch Hooligans und Rechtsextreme stecken. Ein Foto vom Pokalspiel am Sonntag zeigt einen Ordnerarm mit Hakenkreuz. Simone Wendler

Man muss nicht allzu genau hinschauen, um zu erkennen, was für ein Bild die Rückseite des rechten Oberarms des Ordners ziert: ein Mann mit Hakenkreuzbinde am Arm, in einer SA-ähnlichen Uniform. Die obere Hälfte seines Gesichtes wird von dem kurzen Ärmel des T-Shirts verdeckt. Der Träger dieses Neonazi-Tattoos stand am Sonntag als Ordner beim Pokalspiel gegen Mainz im Cottbuser Stadion vor dem Gästeblock.

"Wir sind sehr überrascht und schockiert über diese Information", reagierte der Verein auf die Bitte der RUNDSCHAU um eine Stellungnahme dazu. Weder der vereinseigenen Einsatzleitung noch Polizei und Ordnungsamt sei ein derartiges Tattoo am Spieltag aufgefallen, so Vereinssprecher Lars Töffling. "Anderenfalls wäre dieser Ordner natürlich nicht eingesetzt beziehungsweise sofort von seinen Aufgaben entbunden worden."

Nach Angaben des FCE waren am Sonntag im Gästebereich auch "Leute von Dienstleistern aus Berlin" im Einsatz. Welche Firmen Mitarbeiter nach Cottbus geschickt hatten, konnte Töffling am Montagnachmittag nicht sagen. Ausschließen könne der Verein jedoch, dass es sich um einen eigenen Sicherheitsmann gehandelt habe.

Verantwortlich für den Ordnerdienst im Cottbuser Stadion ist der Sicherheitsbeauftragte des Vereins, der selbst in Cottbus ein Wachschutzunternehmen betreibt. Neben Mitarbeitern seiner eigenen Firma und Vereinsordnern setzt er Personal von Subunternehmen ein. Wiederholt gab es Hinweise, dass darunter Hooligans und Anhänger der rechten Szene seien, und dass die eingesetzten Ordner nicht immer mit den Personen identisch seien, deren Namen auf Listen stehen, die dem Cottbuser Ordnungsamt zur Prüfung vorgelegt werden. 2010 hatten ehemalige Mitarbeiter den Vorwurf erhoben, dass gelegentlich auch Hooligans und Vorbestrafte unter denen seien, die im Stadion für Sicherheit sorgen sollen. Der Verein hatte das sofort und ganz entschieden dementiert.

Sechs Wochen später zeigte ein dunkelhäutiger Gästefan zwei Cottbuser Ordner wegen rassistischer Beleidigung an. Mehrere andere Gästefans berichteten am selben Tag von Hooligan-Tattoos bei den Ordnungskräften.

Ein Jahr später im Mai 2011 gab es den nächsten Zwischenfall. Beim Auswärtsspiel in Aue hatten Feuerwerkskörper und "Juden"-Rufe aus dem Energie-Fanblock fast zum Spielabbruch geführt.

Drei der mutmaßlichen Randalierer, gegen die der Verein ein Hausverbot verhängt hatte, fanden sich kurz darauf bei einem Heimspiel nicht auf den Zuschauerrängen, sondern über ein Subunternehmen in den Reihen der Ordner wieder. Nach Auskunft des Vereins sollen sie damals "das erste Mal" im Stadion eingesetzt und noch vor dem Anpfiff aussortiert worden sein. Nach RUNDSCHAU-Informationen soll das damals jedoch erst in der Halbzeitpause passiert sein.

Von der Cottbuser Ordnerliste gestrichen werden soll nun auch der Mann mit dem Neonazi-Tattoo am Oberarm, versichert Vereinssprecher Lars Töffling: "Sofern wir die Ordnernummer erfahren oder ihn identifizieren können."

Der Sicherheitschef des Cottbuser Drittligisten hat in einer Woche noch ein anderes Problem. Dann soll er sich zusammen mit einem Polizeibeamten vor dem Amtsgericht Cottbus wegen Bestechung verantworten. Für die kostenlose Nutzung luxuriöser Autos soll der Beamte Daten aus dem Polizeicomputer an den Sicherheitschef des FC Energie weitergegeben haben.