Auch der Eigentümer der Fläche auf einem einstigen Flughafen-Areal, die Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH (BBG) ist mit der Geduld am Ende. "Wir werden das Grundstück nicht mehr länger für eine Chinatown vorhalten", verkündete Geschäftsführer Harald Holland-Nell. Lange genug habe man vergeblich auf konkrete Finanzierungszusagen gewartet.

Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen: Vor rund eineinhalb Jahren berichtete eine Zeitung erstmals über die hochfliegenden Pläne für ein "Klein-China" vor den Toren Berlins. Ein ganzer Stadtteil im chinesischen Stil mit Pavillons, Gewerbe, Kultureinrichtungen und einem Landschaftspark für etwa 2000 vor allem chinesische Einwohner sollte entstehen.

Schon wenig später gaben die Stadtverordneten grünes Licht, und Laesicke sprach voller Optimismus von einer "Attraktion für Touristen aus ganz Europa" und einem Zeichen für ein tolerantes Oranienburg. Gerade angesichts der Geschichte der 41 000-Einwohner-Stadt, in der die Nazis das Konzentrationslager Sachsenhausen errichtet hatten, sei dies von besonderer Bedeutung. Doch es dauerte nicht lange und der Investor, die Brandenburg-China-Projekt Management GmbH in Frankfurt (Oder), geriet immer stärker in Erklärungsnot.

Vom schwierigen chinesischen Markt war die Rede und von politisch problematischer Lage - als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Dalai Lama im Kanzleramt empfing. Selbst als Laesicke Anfang dies Jahres das Aus kommen sah, vertrösteten ihn die Investoren. Doch nun zog der Bürgermeister die Reißleine, für eine Stellungnahme dafür waren die Investoren nicht zu erreichen.

Schwer fiel dem Bürgermeister der Schritt nicht, auch wegen neuer Interessenten für die Flächen: "Wir haben kein finanzielles Risiko getragen und durch die Berichte über Chinatown ein perfektes Standortmarketing gehabt." Und: "Es wäre natürlich schön gewesen, mit einer bundesweit einzigartigen Attraktion werben zu können - aber um jeden Preis wollten wir dieses Projekt nicht." So muss Deutschland weiter auf eine "Chinatown" warten. Zuletzt gab es eine im Hamburger Stadtteil St. Pauli, wo in den 1920er-Jahren bis zu 2000 Asiaten lebten.