Kunst hatte im Februar in einem RUNDSCHAU-Interview angekündigt, die beiden Hochschulen BTU Cottbus und Hochschule Lausitz auflösen und eine einheitliche neue Universität gründen zu wollen, die sich schwerpunktmäßig auf das Thema "Energie" konzentriert. Die Kompetenzen der beiden Hochschulen sollten in der neugegründeten Universität zusammengeführt werden. Dagegen gab es vornehmlich in Cottbus heftige Proteste. Inzwischen machte Kunst wiederum in einem Interview mit der RUNDSCHAU im März "einen Schritt zurück" und kündigte an, den weiteren Weg in einer Reihe von Workshops mit Vertretern der Hochschulen diskutieren zu wollen. Dazu setzte sie in der vergangenen Woche einen Beauftragten ein, der den weiteren Prozess koordinieren soll. Thomas Grünewald ist Vizepräsident der Universität Potsdam. Kunst selbst war von 2007 bis 2011 Präsidentin der Universität Potsdam.

"Darin zeigt sich, wie Frau Kunst auf die Lausitz blickt", sagte Saskia Ludwig, CDU-Fraktionschefin im Brandenburger Landtag, in einem Redaktionsgespräch mit der RUNDSCHAU. "Das geht nicht, dass Sie jemanden aus Potsdam hierherschickt." Ludwig, die "unter den richtigen Rahmenbedingungen eine enge Kooperation für überlegenswert" hält, vermutet hinter den Plänen des Wissenschaftsministeriums "definitiv ein Sparmodell". Den Gedanken, die Universität mit dem Thema "Energie" s tärker zu profilieren, befürwortet Ludwig allerding s.

Der Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen hatte am vergangenen Wochenende in einem Beschluss vom "überstürzten Handeln" der Wissenschaftsministerin gesprochen. Damit sei "Vertrauen auf allen Seiten zerstört" worden.

Die Grünen fordern ein Moratorium für den weiteren Neugestaltungsprozess. Die Ministerin solle von ihrem Zeitplan, schon im Sommer einen Kabinettsbeschluss zur Fusion herbeizuführen, Abstand nehmen. Die Bündnisgrünen sprechen sich für eine "sehr viel engere Zusammenarbeit" der beiden Hochschulen aus, allerdings sollten BTU und Hochschule Lausitz "die Möglichkeit bekommen, in einem angemessenen Zeitraum ein Konzept zu erarbeiten".