Der Linken-Abgeordnete Paul Schäfer sagte, es seien nun "eine Reihe von Fragen" drängender geworden. "Wir müssen diese Spur aufnehmen." Am Donnerstag war in mehreren Medien aus einer Mail zitiert worden, aus der hervorgeht, dass das Kanzleramt schon früh Hinweise auf zivile Opfer beim Bombardement von Kundus hatte. In dem Schreiben an die Leitung der für die Geheimdienste zuständigen Abteilung 6 des Kanzleramts heißt es nur wenige Stunden nach dem Angriff: "Das Verheerende daran ist, dass dabei zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sind (Zahlen variieren von 50 bis 100)." Die Bundesregierung hatte wochenlang keine klare Einschätzung abgegeben, ob es bei dem Bombardement vom 4. September 2009 zivile Opfer gab. Die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin forderten Merkel in einem Brief auf, "umgehend" für Aufklärung zu sorgen. Sie hielten der Kanzlerin vor, dass sie in ihrer Regierungserklärung vom 8. September zwar auf widersprüchliche Meldungen über zivile Opfer hingewiesen habe. "Sie haben dem Bundestag aber verschwiegen, dass der Bundesregierung bereits konkrete Hinweise auf zivile Opfer vorlagen." Die Opposition kann Merkel auch ohne Zustimmung der Koalition vor den Untersuchungsausschuss laden. Ab Mai werden beide Seiten von Sitzung zu Sitzung abwechselnd über die Zeugen entscheiden. Ob die Kanzlerin noch vor der Sommerpause geladen wird, ist aber noch unklar. Als nächster Zeuge ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für den 22. April terminiert. Noch vor Merkel will die Opposition voraussichtlich den damaligen Kanzleramtschef und jetzigen Innenminister Thomas de Maiziére (CDU) vernehmen. Der SPD-Obmann im Ausschuss, Rainer Arnold, sagte auf NDR Info: "Beim Kanzleramt interessiert uns vor allen Dingen, was habt ihr eigentlich getan in den folgenden Tagen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. " dpa/roe