Der FDP-Schulpolitiker Torsten Herbst nannte den Umgang der Regierung mit den Pädagogen "schlichtweg nicht akzeptabel". Die Strategie, den Lehrern mit einem rüden Ton zu begegnen und "die Pistole auf die Brust zu setzen", sei "weder politisch klug, noch taktisch sinnvoll oder menschlich anständig", monierte Herbst. Er fügte hinzu: "Da muss man sich doch wundern, wenn der Frust in der Lehrerschaft groß ist." Milbradt hatte vor wenigen Tagen mit Kündigungen gedroht, falls es in den Tarifverhandlungen zwischen Lehrern und Regierung zu keinen Teilzeitlösungen kommen sollte.
Kritik am Tarifangebot der Regierung kam von den Grünen. Deren Bildungsexpertin Astrid Günther-Schmidt hielt der Regierung vor, die Lehrer "bestenfalls zu hinzu verdienenden Familienmitgliedern zu machen".
Kultusminister Steffen Flath (CDU) wies die Vorwürfe zurück und fügte hinzu: "Unser Angebot ist realitätsnah." Die Einschnitte für die Lehrer bezeichnete er als unumgänglich und alternativlos. Er habe jedoch Verständnis dafür, dass die Lehrer sich wehrten und Warnstreiks betrieben. "Wer in unserem Land lässt sich gerne Geld wegnehmen", betonte er.
Die Staatsregierung hat zur Vermeidung von Kündigungen eine Absenkung der Lehrer-Arbeitszeit auf bis zu 62 Prozent des bisherigen Niveaus vorgeschlagen. Die Gewerkschaften akzeptieren jedoch allenfalls eine Reduzierung auf 80 Prozent. Die Regierung will wegen des drastischen Schülerrückgangs bis 2009 rund 4700 der derzeit etwa 18 000 Lehrerstellen an Mittelschulen und Gymnasien streichen. Hintergrund ist der drastische Schülerrückgang bis 2009. Die Warnstreiks sollen am Dienstag landesweit fortgesetzt werden. 25 000 Pädagogen von Mittelschulen, Gymnasien und erstmals auch von Grundschulen sind zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. (ddp/mb)