September in Brandenburg nehmen die Auseinandersetzungen der Parteien an Schärfe zu: Die Linke, aber auch die Grünen werfen der SPD/CDU-Koalition vor, das Regierungsmandat unzulässig für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen. "Man hat den Eindruck, dass die Regierung das Regieren eingestellt hat: Die Minister sind doch nur noch im Land unterwegs, um Wahlkampf zu machen", sagt Linke-Oppositionsführerin Kerstin Kaiser gestern der RUNDSCHAU. Dies sei durchaus eine "bedenkliche Entwicklung". Sie glaube dennoch nicht, dass "der Wähler durch solche Geschenke zu beeindrucken ist". Tatsächlich scheinen Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und seine Ministerriege dieser Tage nur noch im Lande unterwegs zu sein, wobei die Grenzen zwischen Partei- und Regierungsterminen verwischen. Besonders fallen nicht nur der Linken die umtriebigen SPD-Minister Reinhold Dellmann (Infrastruktur) und Dietmar Woidke (Umwelt/Agrar) auf. So scheint Dellmann seit Tagen allein damit beschäftigt, Straßen und Radwege einzuweihen, die gerade jetzt fertig werden. Gestern war es der Radweg zwischen "Neuholland und Freienhagen". Außerdem gab Dellmann - er kandidiert in der Nähe für das Gemeindeparlament von Wandlitz - noch den Startschuss für den Ausbau des Radwegs zwischen Nassenheide und Oranienburg. Sein Amtskollege Woidke wiederum hat nach den Terminankündigungen seine Minister-Aktivitäten auffällig in die Lausitz verlagert, wo er für den Kreistag von Spree-Neiße kandidiert. Vorige Woche sorgte die Umtriebigkeit der SPD-Ressorts bereits für Ärger im Kabinett. Der Union stieß sauer auf, dass Bildungsminister Holger Rupprecht und sein Staatssekretär Burkhard Junkkamp täglich "Zuwendungsbescheide" an Schulen im Land verteilen - während Parteien Auftritte an Schulen wegen des Wahlkampfes verwehrt sind. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) versuchte gestern, die Wogen zu glätten: "Es war immer so und wird immer so sein, dass es in Wahlkampfzeiten mehr Auftritte gibt." Dagegen prophezeit Grünen-Chefin Ska Keller: "Wenn das jetzt schon so ist, dann kann man sich auf etwas gefasst machen, wie es zur Landtagswahl 2009 aussehen wird."