"Die große Koalition führt zu einer großen Entpolitisierung."
 Claudia Roth, Grünen-Vorsitzende


Und darum dreht sich bei den Liberalen an diesem Abend alles. Der Zufall will es, dass drei von insgesamt fünf Regierungen, an denen die FDP noch beteiligt ist, zur Abstimmung stehen. Bis spät am Abend bleibt es überall eine Zitterpartie. Dirk Niebel, der Generalsekretär, versucht die Gäste etwas abzulenken. Die Regierungsbeteiligungen seien nicht entscheidend, sagt er, als er gegen 19 Uhr vor die Kameras tritt. "Entscheidend ist, dass wir dazugewonnen haben." Parteichef Guido Westerwelle lässt sich zunächst nicht sehen. Er wartet in seinem Büro ab.
Regieren um jeden Preis will die FDP offenbar nicht. Als er von dem Angebot der rheinland-pfälzischen SPD hört, die FDP könne dort im Kabinett bleiben, auch wenn die SPD die absolute Mehrheit habe, lehnt Niebel spontan ab. "Man geht in keine Regierung, in der man nicht gebraucht wird", sagte er der RUNDSCHAU. Günter Nolting, langjähriger Abgeordneter aus Minden, empfindet die Sorgen der Liberalen an diesem Tag eher als ein Luxusproblem. "Es gab bei uns in Nordrhein-Westfalen auch schon Wahlabende, da haben wir um tausend Stimmen den Einzug in den Landtag verpasst. Das war ganz was anderes."
Die Grünen haben nicht die Sorgen der FDP - sie regieren ohnehin in keinem Bundesland mehr mit. Steffi Lemke macht daraus eine Tugend: "Wir sind keine Regierungsjunkies wie die FDP", sagt sie. Die Grünen halten sich an dem Ergebnis von Baden-Württemberg fest. Fritz Kuhn ist in Stuttgart und sagt, er sei "happy" über die dortigen Zugewinne. Dass die einst in Sachsen-Anhalt mitregierenden Grünen in Magdeburg den Einzug ins Parlament wieder verpassen und auch in Rheinland-Pfalz offenbar unter die Fünf-Prozent-Grenze rutschen, beschäftigt den Fraktionschef angesichts des Stuttgarter Zugewinns nicht so sehr.
Die Westausdehnung der PDS ist vorerst gescheitert. Die WASG konnte weder in Rheinland-Pfalz noch in Baden-Württemberg in die Landtage einziehen. Doch das ist für Dietmar Bartsch kein Beinbruch. Man müsse eben von unten, auf kommunaler Ebene anfangen und da sehe er angesichts mancher Ergebnisse in Hessen wie beispielsweise in der Mainmetropole Frankfurt eine gute Zukunft für seine Partei, sagt der Generalsekretär der Linkspartei. Dort erreichte die Partei immerhin sieben Prozent der Wählerstimmen. "Bei den nächsten Landtagswahlen kommen wir wieder", erklärt er. Ansonsten habe man in Magdeburg kräftig zugelegt.
Bei der Opposition also nur Sieger an diesem Tag, der vor allem die große Koalition von SPD und CDU gestärkt hat.