"Wir wollen keinen Polizeistaat mehr", sagte der Kremlkritiker und frühere Schachweltmeister Garri Kasparow beim "Marsch der Dissidenten". Mehr als 8000 Polizisten und Soldaten waren im Stadtzentrum im Einsatz. Nach Beendigung der friedlichen Kundgebung kam es am Rande zu Auseinandersetzungen, bei denen etwa 40 Demonstranten sowie einer der Organisatoren in Polizeigewahrsam genommen wurden.
Bei der Oppositionsdemonstration rief der frühere Ministerpräsident Michail Kasjanow im Hinblick auf die Parlamentswahl Ende 2007 und die Präsidentenwahl im März 2008 die Regierungsgegner zur Geschlossenheit auf. "Das nächste Jahr wird das Schicksal unseres Landes bestimmen. Wir müssen unseren Nachbarn, unseren Freunden und Verwandten klar machen, dass wir nur gemeinsam stark sind", rief Kasjanow.
Kasparow, der Begründer der Bewegung "Ein anderes Russland", will als Präsidentschaftskandidat die Opposition vor den anstehenden Wahlen zusammenführen. "Viel wichtiger als die Personalfrage ist, dass wir uns festigen und uns auf ein Programm für eine demokratische Entwicklung einigen", sagte er der "Bild am Sonntag". Von der liberalen Partei Union der rechten Kräfte erhielt Kasparow jedoch eine Absage. "Wir wollen keine Revolution veranstalten, sondern Wahlen gewinnen", kommentierte der Parteivorsitzende Nikita Belych Kasparows Bemühungen.
Im Vorfeld hatten die Behörden ein Eingreifen angedroht, wenn die Demonstranten vom Triumph-Platz in Richtung Kreml marschieren. "Die Staatsmacht hat Angst vor uns, weil wir uns heute endlich vereinigt haben", rief Kasparow den Zuhörern zu. Im Stadtzentrum glich die Lage am Samstag einem Ausnahmezustand.
Die gestrige Veranstaltung der kremltreuen Jugendbewegung "Naschi" (die Unsrigen) mit Zehntausenden Jugendlichen, fand dagegen mit demonstrativer Billigung der Behörden statt. (dpa/kr)