"Es darf keine Opfer erster oder zweiter Klasse geben", sagte Schönbohm laut vorab verbreitetem Redetext gestern auf einem Forum der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema "Zukunft braucht Erinnerung" in Potsdam. "Wir können und dürfen diese Menschen und ihr Leid nicht vergessen."
Er habe in den vergangenen Monaten viele Zeitzeugenberichte von Internierten dieser Lager gelesen, ebenso menschlich bewegende Briefe über erlittenes Unrecht und Gefangenschaft, sagte Schönbohm. Es gehe um Wahrheit und Gerechtigkeit für diese Opfer. In der DDR seien alle in einem sowjetischen Speziallager Eingesperrten angeblich Nazis gewesen. Nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten waren unter den Inhaftierten zahlreiche NS-Funktionsträger - neben vielen Unbelasteten und Opfern kommunistischer Verfolgung.
Am Nachmittag hatte die Brandenburger CDU der Opfer des einstigen Speziallagers in Ketschendorf bei Fürstenwalde (Oder-Spree) gedacht und Kränze niedergelegt. In dem Internierungslager des sowjetischen Geheimdienstes NKWD waren von April 1945 bis Februar 1947 rund 10 500 Menschen ohne richterliches Urteil interniert. Rund 4600 Insassen starben, was auf die katastrophalen Lebensbedingungen in diesem Lager hinweise, hieß es.
Schönbohm war im April in die Kritik geraten, weil er bei einer Gedenkveranstaltung im früheren Konzentrationslager Sachsenhausen KZ-Opfer in einem Atemzug mit den Opfern des sowjetischen Speziallagers auf dem Areal genannt hatte. Im Juli gab es dazu ein klärendes Gespräch mit allen Beteiligten. (dpa/mb)