Aufgebracht über das, was ihm widerfuhr, ist der gelernte Zimmermann und spätere Versicherungsvertreter heute nicht minder wie in den Tagen und Wochen nach dem 27. September 2003.
Horst Martin ist an diesem Tag gegen 20 Uhr mit seinem Sohn mit der Straßenbahn Richtung Stadtzentrum unterwegs. Im letzten Wagen der Bahn sitzt eine Gruppe von Glatzköpfen. Die offensichtlich rechtsradikalen Jugendlichen trinken Bier, rauchen, pöbeln. An einer Haltestelle steigt ein dunkelhäutiges Paar in den Mittelwagen der Straßenbahn. Einige der Randalierer kommen herbei. Es fallen Sätze wie: „Was sucht das Pack hier? Raus mit denen. Die haben hier nichts zu suchen.“
Der Hesse Horst Martin, aufgewachsen in Pirmasens und 1990 nach Cottbus gekommen, mischt sich ein, nimmt Partei für die Andersfarbigen. Er erntet von drei der Rechtsradikalen Faustschläge, Kopfstöße, Tritte. Obwohl die Straßenbahn nach mehreren Halts inzwischen voll besetzt ist, eilt nicht einer der einheimischen Fahrgäste dem Opfer der Gewalt zur Hilfe. Nur der dunkelhäutige Mann stellt sich an die Seite von Horst Martin. Noch heute könne er nicht verstehen, warum die Cottbuser weggeschaut, statt hingeschaut haben, sagt Martin. „Warum nur diese Feigheit gegenüber ein paar Jugendlichen“ , fragt er.
Die Täter sind inzwischen verurteilt. Horst Martin ist Schmerzensgeld zuerkannt worden. Mithilfe von Elke Zipperer vom „Weißen Ring“ treibt er es ein. Euro für Euro müssen die Täter von ihrem Hartz-IV-Geld zahlen. „Die machen es inzwischen freiwillig, weil wir ihnen auf die Füße treten“ , sagt Elke Zipperer. Ansonsten hätten wir nämlich „ein schönes Urteil, aber kein Geld“ .
Horst Martin bleibt vor allem aus einem Grund unerbittlich: „Die müssen spüren, was sie für einen Mist gebaut haben.“ Inzwischen fährt der Mann wieder ohne Angst mit der Straßenbahn. Er bekräftigt: „Ich würde wieder einschreiten.“
Horst Martin wurde für sein mutiges Auftreten gegen Fremdenfeindlichkeit mit dem „Band für Mut und Verständigung 2003“ des Bündnisses der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit Berlin und Brandenburg ausgezeichnet.