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Prozess: Versuchter Mord an Ehefrau
Opfer sagt als Zeugin am Landgericht Cottbus aus

Am Donnerstag hat am Cottbuser Landgericht der Prozess gegen Mazen S. (Mitte) begonnen. Dem Syrer wird versuchter Mord an seiner Ehefrau vorgeworfen. Vertreten wird S. von Anwalt Michael Sinapius (r.).
Am Donnerstag hat am Cottbuser Landgericht der Prozess gegen Mazen S. (Mitte) begonnen. Dem Syrer wird versuchter Mord an seiner Ehefrau vorgeworfen. Vertreten wird S. von Anwalt Michael Sinapius (r.). FOTO: Simone Wendler
Cottbus. Die Anklage wirft einem 30-jährigen Syrer versuchten Mord vor. Er soll im vorigen Sommer in Cottbus seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Von Simone Wendler

Es war mitten am Tag, als Mazen S. im vergangenen Juli in einer Wohnung in Cottbus auf seine damalige Frau losgegangen ist und sie bis zur Bewusstlosigkeit würgte. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ist überzeugt, er wollte die damals 19-Jährige töten. Seit den Ermittlungen sitzt der 30-Jährige in U-Haft.

Seit Donnerstag muss sich Mazen S. nun vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Cottbus wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten. Nur das Einschreiten von Verwandten der Frau, so die Anklage, hätte verhindert, dass sie getötet wurde. Als Beleg für die massive Gewalt, mit der S. seine Frau würgte, nennt die Staatsanwaltschaft Schürfwunden und flächige Unterblutungen der Augenbindehäute.

Laut Anklage war der Grund für seine Tötungsabsicht der feste Entschluss der Frau, sich von dem mit ihr nach islamischem Recht verheirateten Mann dauerhaft zu trennen. Schon vor der Tat, so die Anklage, habe er ihr mit dem Tod gedroht, falls sie ihn verlassen würde. Das habe die Ehefrau jedoch nicht umgestimmt. Außerdem habe der Angeklagte es abgelehnt, dass seine Frau in Deutschland kein Kopftuch mehr tragen wollte und sich offener kleidete.

Mazen S.wurde in der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren und wuchs dort auf. Er ist nach eigenen Angaben jedoch kein syrischer Staatsbürger, sondern Palästinenser. Zu dem versuchten Mord, den die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, will er zum Prozessbeginn keine Fragen beantworten. Er lässt seinen Rechtsanwalt Michael Sinapius nur eine sehr kurze Erklärung verlesen. Darin räumt er das Würgen ein, versichert jedoch: „Als ich von meiner Frau abließ, hat sie noch gelebt.“ Mehr sagt er nicht.

Seine inzwischen von ihm getrennte Frau ist Nebenklägerin in dem Prozess. Ihre derzeitige Adresse wird im Gerichtssaal nicht genannt. Nach Angaben ihres Anwaltes, Walter Otte aus Berlin, habe es unmittelbar nach der Tat massive Drohungen gegen die Frau auch aus Syrien gegeben. Es sei nicht auszuschließen, dass für seine Mandantin auch nach Prozessbeginn immer noch eine Gefährdung bestehe.

Die Ex-Frau des Angeklagten Laila (Name geändert), ist die erste und einzige Zeugin am ersten Verhandlungstag. Die junge Frau trägt offenes, dunkles, leicht violett gefärbtes Haar, einen Pullover und Röhrenjeans. Mehrfach versichert sie in ihrer Aussage, dass sie hier in Deutschland leben, lernen und gern Polizistin werden will.

Ohne spürbare Scheu sagt sie zwei Stunden lang aus, während ihr Ex-Mann sie keines Blickes würdigt. Reg-
los sitzt Mazen S. neben seinem Anwalt und schaut starr in eine andere Richtung. Laila schildert ihr Kennenlernen und die kurze Zeit einer offenbar von Anfang an problematischen Ehe.

Mazen S. und Laila hatten sich im September 2016 in Wittstock in einem Deutschkurs kennengelernt. Die junge Frau war mit ihrer Familie 2015 aus der nordöstlichen Provinz Idlib geflohen. Mazen S. war schon einige Monate länger in Deutschland. Zwei Monate nach ihrem Kennenlernen heirateten sie vor einem Imam.

Doch schon wenige Wochen später habe es Probleme gegeben, schildert Laila als Zeugin vor Gericht. Ihr Mann habe ihr Vorschriften gemacht, wenn sie Freunde oder ihre Familie besuchen wollte. Lailas Familie war inzwischen nach Cottbus gezogen. „Er hat versucht, mein ganzes Leben zu kontrollieren“, fasst sie das Zusammenleben aus ihrer Sicht zusammen.

Bei den Auseinandersetzungen habe ihr Mann sie auch geschlagen, so die Zeugin. Einmal habe er sich auch auf dem Bett über sie gekniet, seine Hände um ihren Hals gelegt und gesagt, sie solle sich verabschieden. Es habe mehrere Versöhnungsversuche gegeben: „Er hat sich aber nicht geändert.“

Die Tat, wegen der Mazen S. nun auf der Anklagebank sitzt, ereignete sich Mitte Juli 2017 in der Cottbuser Wohnung ihrer Mutter, so Laila. Die Mutter und ein Bruder seien dabei gewesen, als Mazen S. auftauchte, um seine Frau erneut zu einer Rückkehr zu bewegen. Sie sei dazu aber nicht mehr bereit gewesen: „Ich habe ihm gesagt, dass jeder seinen Weg gehen muss.“

Er habe sie dann gebeten, mit ihr noch mal allein sprechen zu können. Sie seien dann in das Nachbarzimmer gegangen, schildert Laila. Dort habe er plötzlich beide Hände um ihren Hals gedrückt. Sie habe sich mit aller Kraft gewehrt, aber weder schreien noch seine Finger lösen können. Dann habe sie das Bewusstsein verloren. Erinnern könne sie sich erst wieder daran, dass Rettungsdienst und Polizei in der Wohnung waren.

Eine Woche verbrachte Laila nach dem Angriff im Krankenhaus. Noch heute leidet sie nach eigenen Angaben unter Angstträumen und Nackenschmerzen. Auf Nachfrage von Verteidiger Michael Sinapius bestätigt sie, dass sie Muslimin sei und noch ein Kopftuch trug, als sie Mazen S. kennenlernte und heiratete. Im Frühjahr 2017 habe sie das Kopftuch jedoch abgelegt.

Für eine Verurteilung von Mazen S. wird es eine entscheidende Rolle spielen, ob die Schwurgerichtskammer davon überzeugt wird, dass er seine Frau wirklich umbringen wollte, weil er die Trennung nicht akzeptierte. Dann könnte der Prozess mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe für ihn enden. Gewinnt das Gericht diese Überzeugung jedoch nicht, wäre auch eine mehrjährige Haft wegen schwerer Körperverletzung möglich.

Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.