Weihnachten naht, und auf vielen Wunschzetteln stehen einmal mehr Laptop, Smartphone oder Tablet. Gerade für die jüngere Generation ist ein Leben ohne virtuelle Welten kaum mehr vorstellbar. Doch ab wann wird das Surfen im Internet zur Sucht? Und wie sollen Eltern darauf reagieren? Die aktuelle DAK-Studie hat dazu alarmierende Daten ermittelt. Demnach gelten mittlerweile etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen als suchtgefährdet. Das sind rund 300 000 Personen. Einer repräsentativen Umfrage unter Eltern zufolge reagiert jedes fünfte Kind launisch und gereizt auf Online-Einschränkungen.

Elf Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen haben schon mehrfach erfolglos versucht, ihre intensive Internetnutzung in den Griff zu kriegen. Bei sieben Prozent der Kinder gefährdet die Onlinewelt Beziehungen oder Bildungschancen, wobei Jungen doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen.

Die Mütter und Väter sind auf diese Herausforderung offenbar wenig vorbereitet. Mehr als 70 Prozent haben keine Regeln aufgestellt, an welchen Orten ihr Kind das Internet nutzen darf. Die Hälfte der Eltern gibt auch kein Zeitlimit für die Nutzung vor. Immerhin 32 Prozent der Eltern tappen völlig im Dunkeln, wenn es darum geht, was ihr Kind im Internet konsumiert. Und selbst von den Eltern, die ihren Sprösslingen Vorgaben machen, geben nur 42 Prozent an, dass sie "voll und ganz" eingehalten werden.

Dabei gibt es mittlerweile fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, wie lange und in welchem Alter Kinder bedenkenlos in die virtuelle Welt eintauchen können. Erst ab dem achten Lebensjahr dürfe der Nachwuchs für maximal 45 Minuten am Tag unter Aufsicht chatten und geeignete Seiten im Internet anklicken, sagt Rainer Thomasius, Suchtforscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Vor dem zwölften Lebensjahr sei ein PC im eigenen Zimmer tabu. Kinder zwischen elf und 13 sollten maximal eine Stunde am Tag surfen, ab 14 Jahre seien es bis zu 1,5 Stunden.

Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus. Laut Studie verbringen die Zwölf- und 13-Jährigen zwei Stunden pro Tag im Internet, an den Wochenenden sogar drei Stunden. Bei den 14- bis 15-Jährigen sind es bereits 2,8 beziehungsweise 4,5 Stunden. Insgesamt sind die Zwölf- bis 17-Jährigen durchschnittlich 2,6 Stunden pro Werktag "online" und an den Wochenenden fast vier Stunden. Thomasius rät den Eltern, sich stärker sachkundig zu machen. "Hilfreich ist, Inhalte der Domänen zu kennen sowie Spielmotive, Vorlieben und Spielverhalten zu ergründen".

Die Internetsucht ist bislang zwar nicht als Krankheit offiziell anerkannt. Im Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung wird das Thema aber ausführlich behandelt. Demnach gelten in der Altersgruppe der 14- bis 64-Jährigen mindestens 560 000 Menschen als internetabhängig. Neueste Schätzungen gehen von rund einer Million aus. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) will den Kampf gegen die Onlinesucht deshalb zu einem Schwerpunkt machen. Das Internet biete große Möglichkeiten und Chancen, erklärt die CSU-Politikerin. Allerdings gebe es auch Risiken. Die Vermittlung einer früheren Medienkompetenz sei der entscheidende Schlüssel, um gesundheitlichen Schäden durch die PC-Nutzung vorzubeugen, so Mortler.