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Online-Diskussion: „Typisch kleinbürgerliches Gehabe“ und „selbstzufriedene Heuchelei“

Cottbus. Die Inszenierung hat auch ein großes Echo bei den Lesern ausgelöst. Die RUNDSCHAU fasst Meinungen aus dem Online-Angebot zusammen.

Von gna: Die ganze Diskussion um die Uraufführung ist ein für das provinzielle Cottbus typisches kleinbürgerliches Gehabe. Nicht das Stück selbst, sondern der Rundumschlag des Stadtverordneten Kettlitz, den Intendanten und Regisseur vor den Kulturausschuss zu zitieren ist skandalös wie beschämend, ein Affront gegen die im Grundgesetz verankerte Kunstfreiheit. Einige Akteure hätten erwarten müssen, dass eine Inszenierung durch einen viel gefragten Provokateur und umstrittenen Choreografen nichts für ein Fledermauspublikum ist.

Von ottfried: Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Inszenierung als wichtiger Meilenstein in die Theatergeschichte von Cottbus eingehen wird. Ein Applaus an das Ensemble. Was den Inhalt anbetrifft, empfand ich das Stück als Provokation, die mein subjektives Bild des Fürsten Pückler mit vielen Fragen versehen hat. Darüber und besonders über die intensive öffentliche Diskussion freue ich mich. Wann hat es derartige Auseinandersetzungen in Cottbus zu einem Theaterstück schon gegeben.

Von Donnatello: W as für selbstzufriedene Heuchelei. In Berlin startet eine Ausstellung über sogenannte entartete Kunst und in Cottbus bemühen sich selbsternannte Pücklerversteher diskussionsanregendes Theater als eine neue entartete Kunst zu schmähen. Reales Leben ist durch Hässlichkeit und Schönheit, Freizügigkeit und Prüderie geprägt und nur durch das eine wird das andere auch erkennbar. Das war auch zu Pücklers Zeiten so und so gehören sie auch zu seinen Visionen und machen Visionen erst erlebbar. Pücklers Utopia ist eigentlich Cottbuser Realität !

Von Peitzerin: Cottbus will eine Großstadt sein! Dazu gehört aber mehr als nur die Einwohnerzahl. Kunst und Kultur sollen überzeichnen und provozieren. Endlich mal etwas, das über Flippers und Hansi hinausgeht. Ich habe nichts gegen Volksmusik, toleriere sie. Aber dann sollte man auch tolerant gegenüber anderen sein. Die Stadtspitze stellt sich ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus, was Kunstverstand und Toleranz betrifft. Dann noch die Geldkeule rausholen und drohen (. . .) Das ist wenig professionell.