Der 6. Juli 2005 ist fast zehn Jahre her, doch vergessen hat ihn in Paris kaum einer. Es war der Tag, an dem die als Favorit gehandelte französische Hauptstadt ihre Olympiabewerbung an London verlor. Nun will es die Metropole an der Seine noch einmal wissen: "Los geht's: Paris ist bereit. Wir werden einen schönen Sieg einfahren", kündigte Bürgermeisterin Anne Hidalgo am Dienstag am Sitz des nationalen Olympischen Komitees an. Schon dreimal hatte sich ihre Stadt für das Sportspektakel beworben: 1992, 2008 und 2012. Doch die Niederlage gegen den ewigen Rivalen London, der Paris auch den Titel als Touristenziel Nummer eins streitig macht, schmerzte am meisten. Statt 2012 will Paris nun 2024 die Spiele holen und misst sich dabei mit Hamburg, Rom und Boston.

"Die Spiele zu wollen bedeutet, ein Großereignis zu teilen und es gemeinsam umzusetzen", erklärte Präsident François Hollande, der als Erster im November 2014 eine vierte Kandidatur von Paris ins Spiel gebracht hatte. Allerdings hielt er sich seither zurück, denn diesmal sollen nicht die Politiker, sondern die Sportler die treibenden Kräfte der Kandidatur sein. So waren denn auch 150 Spitzensportler anwesend, als Hidalgo am Sitz des Nationalen Olympischen Komitees die Pariser Bewerbung verkündete. "Paris hat die Infrastruktur und ist eine Stadt, die andere träumen lässt", sagte der Judo-Olympiasieger Teddy Riner.

Olympisches Dorf in der Banlieue

Dass die französische Hauptstadt ohnehin fast über alle nötigen Einrichtungen verfügt, betonten die Olympia-Befürworter gerne. Im Zuge des Ausbaus der Hauptstadtregion sind bereits vier neue Metro-Linien und die Erweiterung zweier weiterer geplant. Auch die Tennisanlage von Roland Garros im Westen von Paris, die sich für die Tennis-Wettkämpfe anböte, wird gerade ausgebaut. Das Stade de France, das für die Fußball-WM 1998 entstand, könnte Austragungsort der Leichtathletik-Wettkämpfe werden. Die Pferderennbahn Hippodrome de Longchamps bietet sich für Reitturniere an. Außerdem kann Paris natürlich mit seiner pittoresken Kulisse punkten: Für Beachvolleyball ist das Marsfeld direkt hinter dem Eiffelturm im Gespräch, die Fechtwettkämpfe könnten im altehrwürdigen Grand Palais an den Champs Elysées stattfinden.

"Man muss nur noch ein Olympisches Dorf, ein Schwimmbad und vielleicht ein Medienzentrum bauen", zählt Sport-Staatssekretär Thierry Braillard auf. Allerdings ist das auch das Problem, denn das Dorf mit seinen 17.000 Betten für Athleten und Funktionäre sollen im Norden von Paris entstehen, wo die Problemvorstädte liegen. Bei fast 25 Prozent liegt in der nördlichen Banlieue mit ihrem hohen Einwandereranteil die Armutsrate verglichen mit 14 Prozent im Landesdurchschnitt. Olympia könnte den Vierteln, in denen die Arbeitslosigkeit höher ist als anderswo, einen neuen Impuls geben. Allerdings warnt die frühere kommunistische Sportministerin Marie-Georges Buffet im Magazin "Nouvel Observateur": "Der Sport kann nicht alle Gesellschaftsprobleme lösen. Wegen der Olympischen Spiele wird man in den Problemvierteln nicht besser leben." Auch die Kriminalität könnte ein Problem werden. Führt doch das Département Seine-Saint-Denis, wo das olympische Dorf entstehen soll, regelmäßig die landesweite Verbrechensstatistik an - vor allem bei Raubüberfällen.

Sechs Milliarden Euro will Paris, das zuletzt 1924 Gastgeber der Olympischen Spiele war, in das Großereignis stecken. Eine eher bescheidene Summe im Vergleich zu Rio de Janeiro, das für Olympia 2016 zehn Milliarden Euro veranschlagt hat und bereits jetzt zwei Milliarden drauflegen musste. Doch Steuererhöhungen soll es für das Spektakel nicht geben, versicherte Hidalgo bereits. Die Unterstützung für ihr Projekt hat sie: 73 Prozent der Franzosen sind für die Spiele an der Seine.