Das hat Eduardo Paes gerade noch gefehlt. Mitte Januar eröffnete der Bürgermeister von Rio de Janeiro einen spektakulären, für die Olympischen Spiele gebauten Radweg entlang der Atlantikküste. Drei Monate später stürzte er ein, starker Wellengang riss einen auf Pfeilern über die Steilküste gebauten Abschnitt weg. Zwei Männer fielen ins Meer und starben. Just als Paes am 21. April in Griechenland weilte, zur Entzündung des Olympischen Feuers.

Bisher liegt kein Segen über den ersten Spielen in Südamerika. Brasilien ist gebeutelt von einer tiefen Rezession und einer noch tieferen Regierungskrise, der Bundesstaat Rio de Janeiro ächzt unter einem enormen Defizit - Paes betont, Olympia tangiere das nicht. Zu 98 Prozent sei alles fertig. "Die größten Herausforderungen bei der Organisation dieses Megaevents sind überwunden", sagte Paes bei der zehnten und letzten Visite des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Doch Olympiafieber in Rio? Bisher Fehlanzeige.

Vorbild Barcelona 1992: Paes' großes Vorbild ist Barcelona 1992. Wie damals will er mit heiteren Spielen, mit großartigen Bildern aus einer der schönsten Städte der Welt einen Touristenboom auslösen - ihm werden Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur 2018 nachgesagt. Er will "weiße Elefanten" verhindern - Stadien, die nach Olympia verfallen. So wird eine 10 000 Zuschauer fassende Arena später zu einer Schule umgebaut.

Sportstätten werden fertig: Das neue Schwimmstadion mit der künstlerischen Außenfassade ist das Schmückstück im Olympiapark, ein energiesparendes Zirkulationssytem soll für frische Luft sorgen. Nur das Radstadion ist etwas in Verzug, wird aber fertig. Anders als zum Beispiel bei Athen 2004 sind die Anlagen nicht das Sorgenkind - auch wenn verschiedene Verbände sich mokieren über weit geringere Zuschauerkapazitäten als in London 2012. Ärger gab es bei den Testwettbewerben der Turner: Der Strom fiel aus, ebenso Ergebnisanzeigen - es war bei Weitem nicht die einzige Panne. Auch das renovierte Leichtathletikstadion (60 000 Plätze), Heimat des Fußballclubs Botafogo, ist sicher nicht das modernste. Das oberste Gebot lautet: Nachhaltige, kostenbewusste Spiele, kein Gigantismus. Daher gibt es auch kein "richtiges" Olympiastadion, denn Eröffnungs- und Schlussfeier finden im Fußballtempel Maracanã statt.

Rezession und politisches Chaos: Die Wirtschaftsleistung ist 2015 um 3,8 Prozent eingebrochen, es gibt die tiefste Rezession seit den 1930er-Jahren. Das einst gefeierte Boomland hat fast zehn Millionen Arbeitslose, regiert wird kaum noch, da es einen erbitterten Kampf gibt um die Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff. Hinzu kommt ein milliardenschwerer Korruptionsskandal, in den über 50 Politiker verwickelt sind. Die Rio-Organisatoren sind wegen der miesen Lage zum radikalen Sparen gezwungen.

Das Metro-Problem: Größtes Sorgenkind ist die neue Metro-Linie nach Barra, wo sich der Olympiapark befindet. Es ist das wichtigste Infrastrukturprojekt, das rund ein Viertel der Gesamtkosten ausmacht, aber womöglich nicht rechtzeitig komplett fertig wird. Im schlimmsten Fall müssen Touristen mit Pendelbussen zum 40 Kilometer vom Zentrum entfernt liegenden Olympiapark anreisen - nervtötende Fahrerei.

Segeln in der Kloake: Die Wasserqualität im Segelrevier, der malerischen, vom Zuckerhut eingerahmten Guanabara-Bucht, ist dramatisch. Fäkalien, Abwässer, multiresistente Keime - hier sollte man nicht ins Wasser fallen, Wassertests fielen bisher katastrophal aus.

Schleppender Ticketverkauf: Sicher, gerade die Debatte um das Zika-Virus hält so manchen Fan von einer Reise nach Rio ab. Allerdings sind die das Virus übertragenden Moskitos im südamerikanischen Winter weit weniger aktiv und Rio nicht so stark betroffen wie der Nordosten. Von 7,4 Millionen Tickets für Olympia und Paralympics sind laut eines Sprechers bisher 62 Prozent verkauft, 30 Prozent davon gehen ins Ausland, 70 Prozent werden in Brasilien verkauft - doch viele Sportarten interessieren nicht.