Die von Merkel angekündigte Nahost-Initiative begrüßte der Regierungschef und versprach seinerseits „außergewöhnliche“ Anstrengungen für einen Dialog zwischen Israelis und Palästinensern.

Scharfschützen lagen auf dem Dach des Berliner Kanzleramtes, Hubschrauber kreisten, das Regierungsviertel war gleich durch mehrere Polizeihundertschaften hermetisch abgeriegelt worden: Als gestern Mittag Ehud Olmert am Kanzleramt vorfuhr, galt Sicherheitsstufe Nummer eins - allein seine Fahrzeugkolonne umfasste 35 dunkle Limousinen. Eine brisante Visite.

Nicht nur unter Sicherheitsaspekten, sondern vor allem wegen der Themen, die Merkel und Olmert zu besprechen hatten. Während die Kanzlerin geradlinig ein verstärktes deutsches Engagement für den Friedensprozess im Nahen Osten mit Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 ankündigte und zudem klare Worte an den Iran richtete, musste Olmert vor allem eines tun: richtig stellen.

Kranz am "Gleis 17" niedergelegt

Der Tag in Deutschland hatte für ihn mit bewegenden Momenten begonnen. An der Gedenkstätte "Gleis 17" am Bahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus während der Nazizeit Tausende von Juden deportiert worden waren, legte Olmert einen Kranz nieder. Nicht anzumerken war ihm da, dass er von Deutschland aus für eine massive innenpolitische Krise in Israel gesorgt hatte. Mit missverständlichen Worten hatte der Ministerpräsident - ausgerechnet in einem Interview mit einem deutschen Fernsehsender - den Eindruck erweckt, Israel sei im Besitz von Atomwaffen. Angesichts des Pulverfasses Naher Osten galt in dieser Frage bislang für die Israelis die "Politik der Unklarheit". Olmerts vermeintlicher Tabubruch dominierte dann auch die Pressekonferenz im Kanzleramt: "Israel wird nicht das erste Land sein, das atomare Waffen im Nahen Osten besitzt", versuchte er mehrfach zu retten, was womöglich innenpolitisch für ihn nicht mehr zu retten ist.

Angela Merkel hingegen sonnte sich in ihrer außenpolitischen Rolle. Mit Beginn der EU-Ratspräsidentschaft 2007 wird die Kanzlerin erst Recht die mächtigste Frau Europas. Auf internationaler Bühne kommt ihr dann eine noch gewichtigere Rolle zu. Man wolle den Friedensprozess im Nahen Osten "begleiten, aktivieren und voranbringen", kündigte sie erneut an. Merkel bekräftigte, dass sie das Nahost-Quartett zur Vermittlung zwischen Israel und den Palästinensern wieder beleben wolle. Das Gremium wird gemeinsam von EU, USA, Russland und den UN gebildet. Es versucht seit vier Jahren, den Weg zu einem unabhängigen und lebensfähigen Palästinenser-Staat zu ebnen. Die Erwartungen an die Deutschen scheinen dabei groß zu sein: Olmert sprach von einer "Chance" für den Friedensprozess durch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft.

Nur negative Signale aus dem Iran

Intensiv und lange debattierten beide den Atomstreit mit dem Iran. "Die militärische Option liegt für mich nicht auf dem Tisch", betonte Merkel. Stattdessen müssten von Angeboten bis Sanktionen alle diplomatischen Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden. Allerdings gebe es bisher nur negative Signale aus dem Iran. Wenn das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft "eindeutig, scharf gefasst und kontinuierlich gestaltet" sei, gebe es eine Chance, "das erwünschte Ergebnis zu erzielen", weckte der israelische Ministerpräsident Hoffnungen.