Eines schon mal vorweg: Sie schlagen sich nicht. Die Mitglieder studentischer Damenverbindungen, die an diesem Wochenende zu ihrem Jahrestreffen nach Dresden kommen, verzichten auf Degen oder Säbel. "Es gibt keine schlagenden Damenverbindungen. Das ziemt sich für eine Dame überhaupt nicht", sagt Jennifer Wagner. Die 21-Jährige ist Jura-Studentin und Seniora der Akademischen Damenverbindung Regina Maria-Josepha zu Dresden, die das Treffen in diesem Jahr ausrichtet. "Wir erwarten so um die 100 Teilnehmerinnen von etwa 30 Verbindungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz." Insgesamt gebe es zwischen 40 und 50 Damenverbindungen in diesen Ländern.

Bei dem Convent stellen sich unter anderem neue Verbindungen vor und es wird entschieden, wo das nächste Jahrestreffen stattfindet, erklärt Wagner. Im März 2009 gegründet, zählt die einzige Dresdner Damenverbindung elf Bundesschwestern, darunter vier Hohe Damen. Das sind aktive Mitglieder, die ihr Studium bereits beendet haben.

Nach dem Convent soll mit den Farbenschwestern - so werden die Mitglieder der anderen Verbindungen genannt - "gekneipt" werden. "Eine Kneipe ist ein festlicher Abend, an dem man zusammensitzt, Studentenlieder singt und etwas trinkt", sagt Wagner. Das Ganze läuft nach festen Regeln ab, mit Reden und unter Vorsitz einer Seniora.

Im Gegensatz zu den Herrenverbindungen, bei denen solche Abende häufig feucht-fröhlich verlaufen, hält sich die Dame in Couleur laut Wagner aber zurück. Man trinke Wein statt Bier.

In ihrer Begrifflichkeit und den Ämtern, den Chargen, orientieren die Damen sich an der Jahrhunderte alte Tradition der männlichen Studentenverbindungen. "Wir pflegen schon die Tradition, aber wir verfechten keine ganz konservative Ausrichtung", sagte Wagner. Auch das Frauenbild sei nicht antiquiert - trotz Damenhaftigkeit. "Jeder lebt bei uns sein eigenes Frauenbild. Wir wollen aber als selbstsichere und selbstbewusste Damen auftreten."

Dabei geben sich die Damen betont unpolitisch. "Häufig wird das Vorurteil geschürt, dass Verbindungen generell rechts sind", weiß die Seniora. Zwar gebe es in manchen Verbindungen solche Tendenzen. Die Dresdnerinnen wollen sich dazu aber nicht positionieren, auch nicht dagegen. "Dann wirft man sich in diese Diskussion, in die man eigentlich gar nicht rein will. Man braucht ja keine Rechtfertigung, um als Verbindung zu bestehen", sagt Fähmajora Madeleine Ahrens. Die 23-Jährige ist für die Neulinge, die Fähen, zuständig. Die Prinzipien ihrer Verbindung seien Freundschaft, Mut und Wissenschaft.

Wenn sie öffentlich in Couleur, also mit ihrem Band auftreten oder sogar in Vollcouleur mit Mütze, gebe es immer mal wieder Anfeindungen. "Aber hier in Dresden ist das nicht so schlimm wie in anderen Städten", meint Ahrens. Deshalb wollen die Damen bei ihrem Stadtrundgang am Wochenende auch Farbe zeigen.