" So redet ein Kaufmann, der Gewerkschaftsboss werden will. Dem bayerischen Schwaben Feiger ist das am Dienstag bei der IG Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) gelungen. Im neuen Amt braucht er nun beides: kaufmännische Qualitäten und politisches Selbstbewusstsein.

Anders als sein Vorgänger, der urwüchsige Betonbauer und heutige SPD-Schattenminister Klaus Wiesehügel, hat Feiger keine Schwielen an den Händen. Die Gegensätze könnten schärfer nicht sein: Wo Wiesehügel gern mal einen polemischen Spruch abgelassen und klare Kante gezeigt hat, überlegt sich der feinsinnige Feiger zunächst einmal jedes Wort, bevor er den Mund aufmacht.

Seine Karriere hat Feiger nahezu ausschließlich in der IG BAU gemacht. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Stahlbaubetrieb wollte das Unternehmen den aufmüpfigen Jugendvertreter der damaligen IG Bau Steine Erden um keinen Preis übernehmen, wie Feiger selbst erzählt. Nach der Bundeswehr eröffnete sich dann für den Realschüler der Weg zu einer Ausbildung auf der gewerkschaftlichen Sozialakademie in Dortmund.

Der heute 50 Jahre alte Feiger hat sich in der Gewerkschaft vom Bezirkssekretär in seiner Heimatstadt Augsburg über den Landesverband Bayern bis zum Bundesvorsitz hochgearbeitet. Dem Bundesvorstand in Frankfurt gehört er seit 2007 an, seinen Wohnsitz hat er mit seiner Ehefrau immer noch in der Nähe von Augsburg.

"Wir wollen eine starke, politisch mündige und vor allem selbstständige IG BAU", sagt Feiger, der als Vize zuletzt für das Personal und die Finanzen zuständig war.

Den Mitgliederschwund hat er so aus der Nähe miterlebt. Zum Ende vergangenen Jahres zählte die einstmals stolze IG BAU keine 300 000 Mitglieder mehr. Kurz nach der 1996 erfolgten Fusion mit der Gewerkschaft für Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft waren es noch 720 000 gewesen.