Das neue Revierkonzept sieht keinen Kraftwerksneubau am Standort Jänschwalde und keine Inanspruchnahme des Zukunftsfeldes Jänschwalde-Nord vor. 2400 Menschen wird die Umsiedlung erspart. Umziehen sollen wegen des Bergbaus nur noch 200 Einwohner von Mühlrose. Über ein drittes Erweiterungsfeld, Welzow-Süd II, soll bis 2020 entschieden werden. Das alles führt zu Diskussionen innerhalb der Lausitz. Was denken die Leser über die Entscheidungen? Wie wird die bisherige Arbeit der Leag nach dem Wechsel von Vattenfall bewertet? Und was ist mit den unterschiedlichen Gremien, die am Strukturwandel der Region mitwirken? Wenig Inhalte oder adäquate Lösungen für die Zeit nach dem Bergbau?

Mögliche Projekte der Leag Zwei Drittel der Befragten sagen, es sei noch zu früh einzuschätzen, wohin der Weg unter Leag-Flagge gehen soll. Immerhin jeder Sechste empfindet den Wechsel von Vattenfall zur Leag geglückt. "Die Leag hat sich in der Region etabliert und engagiert sich in der Region", sagen rund 13 Prozent. Als die neuen tschechischen Eigentümer das Lausitzer Revier im Herbst 2016 übernahmen, war die Entscheidung über die Tagebau-Erweiterungsfelder eines der dringendsten Probleme. Denn seit Frühjahr 2015, als sich der vorherige Eigentümer Vattenfall für den Verkauf seines ostdeutschen Braunkohlegeschäftes entschieden hatte, lagen alle Umsiedlungsvorbereitungen auf Eis. Das Unternehmen plane nun, den Tagebau Jänschwalde bis voraussichtlich 2023 planmäßig zu Ende zu führen. Das Kraftwerk Jänschwalde soll dann noch für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mit Kohle aus dem Süden des Reviers betrieben werden.

Umgang mit der Braunkohle Die Leser äußerten sich zu der Frage, welche Projekte die Leag nun vordergründig in Angriff nehmen soll. "Sicherung der Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft in der Lausitz und weitere Auftragsvergabe an regionale Firmen", war eine der Topantworten der Leser. Darüber hinaus gab es Pro- und Kontra-Meinungen zum zukünftigen Umgang mit der Braunkohle. "Die Leag sollte zusammen mit den Politikern und Bürgern der Lausitz deutlich machen, dass die Braunkohle die einzig nennenswerte Branche in der Lausitz ist, die Industriearbeitsplätze bietet, die auch noch vergleichsweise überdurchschnittlich gut für diese Region bezahlt werden", sagt eine Leserin. Zwei Drittel der Befragten sind gegen den Kohleausstieg in der Lausitz. Auf Bundesebene ist die Meinung ähnlich: Knapp 80 Prozent halten einen bundesweiten Kohleausstieg für sinnlos, da Deutschlands Nachbarn teilweise eine ganz andere Philosophie vertreten. Kohleausstieg sei zwar notwendig, aber nicht sofort. "Ohne Kohle würden in der Lausitz die Lichter ausgehen. Die vergangenen 25 Jahre haben gezeigt, dass es keine nennenswerten Ersatzinvestitionen in anderen Branchen gibt", so eine Leserin.

Die Befürworter eines möglichst schnellen Kohleausstiegs sehen das anders. "Dass es mit der Braunkohleverstromung aus umwelttechnischen Gründen und auch aus finanziellen Gründen nicht weitergeht, ist klar. Das Ende der Kohleverstromung ist in Sicht. Wir können nicht unsere eigene Bevölkerung aus ihrer Heimat vertreiben - freundlich wird das ,Umsiedeln' genannt - und weiterhin die Atmosphäre mit Abgasen verpesten und damit das Weltklima anheizen", sagt ein Leser. Andere Lausitzer erhoffen sich beim Thema Kohleausstieg einen "geordneten Rückbau" beziehungsweise eine "nachhaltige Rekultivierung". Ob für oder gegen Braunkohleausstieg: Die Lausitzer Braunkohle wird auch in den kommenden Jahrzehnten wichtig für die deutsche Stromwirtschaft sein, sagen nahezu alle Umfrageteilnehmer (96 Prozent). "Wir brauchen auch weiterhin Strom aus der Steckdose und das 24 Stunden am Tag", so die überwiegende Meinung der Befragten.

Was weitere Projekte der Leag anbelangt, wurden beispielsweise die zügige Abwicklung und fachliche Begleitung der Entstehung des Cottbuser Ostsees von den Lesern genannt. Natürlich unter Berücksichtigung der Genehmigungsfähigkeit und der Einhaltung ökologischer Rahmenbedingungen. Das wird von etwa jedem Zehnten gefordert. Genauso viele Leser sehen die "Versorgungssicherheit in der Stromversorgung" als unabdingbar an. Einige wenige sind für eine bessere Unterstützung der regionalen Sportvereine durch die Leag.

Lausitzer Strukturwandel Zentrales Thema bei der RUNDSCHAU-Umfrage: der Lausitzer Strukturwandel. Er sei absolut notwendig, denn es müsse sinnvolle Lösungen für die Zeit nach dem Bergbau geben, sagen immerhin 42 Prozent. Außerdem sollte er geordnet und unter einem Dach geführt werden, meint jeder Fünfte. "Insgesamt gibt es aber zu viele verschiedene Gremien, die sich mit dem Thema beschäftigen, und am Ende des Tages kommt wenig heraus", sagen 17 Prozent.

Diese Gremien heißen unter anderem Innovationsregion Lausitz GmbH und Lausitzrunde. Die Lausitzrunde bezeichnet sich selbst als "Bündnis zur kommunalen Strukturentwicklung". Ihr gehören Politiker aus den Bundesländern Brandenburg und Sachsen an, die um den Erhalt der Industriearbeitsplätze in der Region ringen. Die Innovationsregion Lausitz GmbH wurde Anfang des vergangenen Jahres gegründet. Sie soll möglichst bald als regionale Entwicklungsgesellschaft an der Spitze des Strukturwandels stehen.

Ein neues Herangehen an den Strukturwandel hat die Wirtschaft der Region bereits vor einigen Monaten vorgeschlagen. In einem Lausitz-Papier haben IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger und Rüdiger Lange, Geschäftsführer der Innovationsregion Lausitz, Vorschläge über die bisherige Förderkulisse hinaus gegeben. Fast 90 Prozent der Leser kennen dieses Papier nicht. Zur Erklärung: In dem Papier heißt es, dass die Bundesregierung durch ihre klimapolitischen Entscheidungen allein die Verantwortung für die Beschädigung der industriellen Wertschöpfungsketten und die drohenden Wohlstandsverluste einer ganzen Region trage. Deshalb sei es folgerichtig, dass der Bund auch für die Bekämpfung der Folgen seiner Politik einstehe. Der Verlust von Wirtschaftskraft müsse auf der Basis der Lausitzformel "Ein Gigawatt für ein Gigawatt" - ist den Lesern ebenfalls nahezu unbekannt - durch bundespolitische Entscheidungen ausgeglichen werden. Für jedes Gigawatt Kraftwerksleistung, das aufgrund bundespolitischer Entscheidungen in der Lausitz abgeschaltet wird, wird der Region rechtlich verbindlich eine industrielle Aufbauleistung im gleichen Wert zugeordnet. Das heißt: Bevor weitere Abschaltungen stattfinden, erfolgen Aufbauinvestitionen im Marktwert von einem Gigawatt Kraftwerksleistung, um die wegfallende industrielle Wertschöpfung eins zu eins in der Region zu ersetzen.

Geht es nach der Mehrzahl der Umfrageteilnehmer, sollte der Strukturwandel langfristig, aber ohne konkretes Datum zum Braunkohleende ablaufen. "Wichtig ist, dass man sich strukturell und industriell breit aufstellt und nicht auf einen oder nur wenige Industriezweige versteift", sagt eine Leserin. Hinzu komme die Entwicklung ökonomisch sinnvoller Energiequellen. "Es ist sinnlos, weiterhin nur auf sporadisch nutzbare Energiequellen zu setzen, da die Speicherung größerer Energiemengen physikalisch unmöglich ist", sagt ein Leser. Und ein anderer meint: "Strukturwandel der Lausitz bedeutet vor allem ein klares Bekenntnis der Landesregierung zur Lausitz und eine ressortübergreifende Wirtschaftsförderung."

Zum Thema:
Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat ein Umfrage-Center ins Leben gerufen, um mehr über die Meinung der Lausitzer zu wichtigen Themen zu erfahren. Abrufbar ist es unter umfrage.lr-online.de. Wir fragten unsere Leser bereits zum BER-Flughafen, zur Flüchtlingsdebatte und zu den Lausitzer Wölfen. Mit der Teilnahme an Befragungen können Prämienpunkte gesammelt und gegen Einkaufs-Gutscheine getauscht werden. Das Mitmachen ist kostenlos: Man lässt sich einmalig über eine Basisumfrage registrieren, erhält ein Passwort und ist exklusives Mitglied. Die Registrierung erfolgt unter umfrage.lr-online.de