Noch herrscht bei Andreas Schulze, Chef des gleichnamigen Pflanzenhofes in Hoyerswerda, Ruhe vor dem Sturm auf die Weihnachtsbäume. Schließlich ist erst am ersten Advent, der in diesem Jahr auf den 3. Dezember fällt, offizieller Verkaufsbeginn für den Schmuck zum Weihnachtsfest. Dann aber werden die Kunden schnell zugreifen, um sich rechtzeitig einen Baum zu sichern. „Sehr viele Bäume haben unter den Spätfrösten im vergangenen Jahr und unter der Trockenheit gelitten. Das Angebot vor allem bei den Discountern wird geringer sein“ , vermutet Andreas Schulze. Die Folge: Weihnachtsbäume werden teurer sein. Für die Nordmanntanne, die in der Gunst der Deutschen mit zwei Dritteln Marktanteil inzwischen ganz vorn liegt, müssten für den Meter mindestens 12,50 Euro und damit 2,50 Euro mehr als im vorigen Jahr auf den Gabentisch der Verkäufer gelegt werden, blickt Schulze voraus. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände rechnet damit, dass die Nordmanntanne im Durchschnitt sogar 15 Euro je Meter kosten könnte. Für Gärtnerin Birgit Cholewa aus Hosena bei Senftenberg ist das ein Grund, erstmals in diesem Jahr Weihnachtsbäume nicht im freien Verkauf anzubieten. Ihre Stammkundschaft werde sie auf Bestellung beliefern, versichert sie. „Wer kann sich denn solch teure Bäume noch leisten?“
Etwas preiswerter könnte es für Liebhaber von Baumarten wie Gemeine Kiefer, Schwarzkiefer, Fichte oder Douglasie werden. „In Gesprächen haben unsere Mitglieder angedeutet, dass sie mit den Preisen auf Vorjahresniveau bleiben wollen“ , sagt Marion Krause, Geschäftsführerin des Waldbesitzerverbandes in Brandenburg. Allerdings sei der Zuwachs der Pflanzen nicht so, wie ihn sich die Forstleute gewünscht hätten. „In bestimmten Regionen wie in der Lausitz sind die Bestände durch Frost, Hitze und Trockenheit teilweise stark geschädigt“ , schätzt sie ein. „Durch die trockenen Nadeln sehen die Bäume zum Teil unansehnlich aus.“

Aufwendigere Suche nach Bäumen
Selbst dort, wo Förster und Waldeigentümer die Möglichkeiten anbieten, sich den passenden Baum selbst einzuschlagen, wird die Suche aufwändiger sein. „Das Angebot an Weihnachtsbäumen in unseren Revieren neigt sich dem Ende entgegen“ , räumt Marion Vater vom Amt für Forstwirtschaft in Peitz (Spree-Neiße) ein. Auf der Bärenbrücker Höhe in der Nähe vom Kraftwerk Jänschwalde, einstiges Mekka der Baumsuchenden, ist in diesem Jahr nichts mehr zu holen. „Es sind keine geeigneten Bäume mehr da. Die nächsten wachsen erst heran“ , so Vater. Im vergangenen Jahr wurden dort noch 500 Schwarzkiefern eingeschlagen.
Der Traum vom selbst geschlagenen Christbaum muss dennoch nicht unerfüllt bleiben. Laut Vater ist am 17. Dezember in der Oberförsterei Kathlow bei Cottbus eine Veranstaltung geplant mit Jagdhornblasen, Glühwein, Wildspezialitäten - und dem Weihnachtsbaum nach Maß und Geschmack. Auch im Forstamt Lübben laufen die Vorbereitungen für die familiären Weihnachtsbaum-Visiten in Wäldern der Spreewald-Region auf Hochtouren, versichert Amtsleiter Jörg Dunger. Für die Zukunft sieht er allerdings die Bäume nicht in den Himmel wachsen. „Noch können wir den Bedarf befriedigen, doch das Angebot geht zurück“ , sagt Dunger. „Es sieht für die nächsten Jahre nicht rosig aus“ , stimmt ihm Marion Vater vom Forstamt Peitz zu.

Gleichaltrige Kulturen fehlen
Die Wurzeln des Engpasses reichen etwa zehn Jahre zurück. „Damals wurde verpasst, neue Bäume anzupflanzen. Es war politisch nicht gewollt und scheiterte am Geld“ , nennt Vater als Ursachen. Hintergrund sind der Waldumbau und die Ausrichtung auf die natürliche Waldwirtschaft. Die in Südbrandenburg und Ostsachsen dominierenden Kiefern-Monokulturen werden durch Laubbäume aufgelockert. Zudem soll sich der Wald unter dem schützenden Dach der Altbäume durch Selbstaussaat verjüngen. Weil Kahlschläge verboten sind, würden einförmige gleichaltrige Kulturen kaum noch angelegt, so Marion Vater. „Wir können Weihnachtsbäume nur noch bei der Durchforstung gewinnen.“ Bei diesen Bäumen sei zwar nicht jeder Ast gerade, dafür aber seien sie frisch und nicht mit Chemie und Dünger gezogen, wie die Bäume von ausländischen Plantagen, so die Expertin des Forstamtes.
Andreas Schulze aus Hoyerswerda glaubt allerdings, dass sich die Nordmanntanne weiter durchsetzen wird. „Sie ist pflegeleicht, hält die Nadeln, die nicht so spitz sind, und sieht gut aus“ , beschreibt er die Vorzüge. „Und die Leute kaufen nun einmal nach dem Aussehen.“ Schulze will den Nordmanntannen-Markt allerdings nicht nur anderen überlassen. Deshalb probiert er aus, wie er den edlen Baum selbst heranziehen kann. „Der Sandboden in der Lausitz ist dafür gar nicht so schlecht“ , ist der Hoyerswerdaer Gärtner leicht optimistisch. „Die Nordmanntanne braucht allerdings intensivere Pflege“ , ergänzt er. An der soll es nicht fehlen. Schließlich haben Weihnachtsbaumaufzucht und -handel eine lange Familientradition, die mit der Nordmanntanne aus der Lausitz eine Bereicherung erfahren würde.

Hintergrund Fit ins Wasser
Der Weihnachtsbaum sollte bis zum Aufstellen kühl, am besten im Freien aufbewahrt werden. Ein gefrorener Baum sollte in einem nicht beheizten Raum aufgetaut werden.
Empfehlenswert ist ein Ständer, in den noch mindestens zwei Liter Wasser passen, wenn der Baum steht.
Vorteilhaf t für die Frische des Baumes ist es, wenn vor dem Aufstellen etwa zwei Zentimeter des Stammes abgeschnitten werden. Dadurch können die Leitbahnen wieder Wasser aufnehmen.
Experte Andreas Schulze aus Hoyerswerda rät, ein paar Tropfen Fit ins Wasser zu geben. Das entspannt die Wasseroberfläche. Der Baum kann das Wasser besser aufnehmen.
Günstig ist , wenn der Stamm nicht angespitzt werden muss. Wasser ist täglich nachzufüllen.
Termine für das Selbstschlagen von Weihnachtsbäume und Adressen der Förstereien im Internet unter: www.mluv.brandenburg.de www.forsten.sachsen.de