Auch die Angaben darüber, wie erfolgreich dieser Vormarsch bislang ist, gingen gestern bis zum späten Abend weit auseinander. US-Berichte, wonach die Stadt Nasirija erobert sei, wies die irakische Führung beispielsweise lange Zeit zurück.
Dass Meldungen über die Einnahme von Umm el Kasr etwas vorschnell waren, bewiesen gestern Live-Bilder von Kämpfen in dem südirakischen Hafen.

Psychologische Kriegsführung
Kaum ein amerikanischer Experte hatte erwartet, dass die US-Truppen so früh und so weit in den Irak vordringen würden. Fast alle hatten zunächst mit intensiven Luftangriffen gerechnet, um die irakischen Verteidigungslinien zu schwächen. Doch US-Befehlshaber Tommy Franks änderte seine Pläne, und konnte damit einige aus seiner Sicht beeindruckende Erfolge verbuchen. So waren Vorausverbände der 3. Infanteriedivision nach amerikanischen Angaben gestern bis auf 250 Kilometer auf Bagdad vorgerückt.
Parallel dazu setzen die USA auf psychologische Kriegsführung. So erhielten Hunderte irakischer Kommandanten und Führungsmitglieder Anrufe auf ihrem Handy und wurden von in den USA lebenden Verwandten oder arabisch sprechenden US-Militärs zur Aufgabe aufgefordert. Dies sei ihre einzige Chance in einem Irak in der Zeit nach Saddam Hussein. Gleichzeitig strahlen zu fliegenden Radiostationen umgebaute Hercules-Maschinen die Botschaft an die irakischen Soldaten aus, es lohne sich nicht, für ein korruptes Regime zu sterben.
Auf Propaganda setzten auch die Iraker. So scheint die Führung eine Strategie anzuwenden, die unter Irak-Kennern bereits vor Kriegsbeginn als wahrscheinlichstes Szenario galt: Mit aufwühlenden Bildern von zum Teil schwer verletzten amerikanischen Kriegsgefangenen auf der einen Seite und getöteten Zivilisten auf der anderen will Bagdad die Menschen in den USA, Großbritannien und der arabischen Welt dazu bringen, Druck auf ihre Regierungen auszuüben, um den Krieg vor einer Eroberung Bagdads zu stoppen.
Daneben hofft das Regime, den alliierten Truppen bei ihrem Vorrücken Verluste zufügen und Gefangene machen zu können. Das soll dann nach den Vorstellungen der irakischen Führung ebenfalls zu einem Stimmungsumschwung in Washington und London führen.

Verteidigung strategischer Punkte
Denn Saddam Hussein hat in der Vergangenheit mehrfach erklärt, einer der größten Schwachpunkte westlicher Armeen sei es, dass die Regierungen nicht bereit seien, große Verluste unter den eigenen Soldaten hinzunehmen. Die Iraker wissen auch, dass sie den Krieg gegen die militärisch so weit überlegene Supermacht USA und ihren Verbündeten Großbritannien nicht auf konventionelle Art und Weise gewinnen können.
Der irakische Vizepräsident Ramadan sagte derweil gestern Journalisten in Bagdad, der bisherige Kriegsverlauf zeige, dass sein Land wirklich keine Massenvernichtungswaffen mehr besitze. Gäbe es sie, dann hätte die irakische Armee sie angesichts der von den „amerikanischen Söldnern“ benutzten Waffen nun eingesetzt.

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