Ende August rief ein Herr Müller von der Abteilung III der Oberfinanzdirektion Chemnitz in Günther-Schmidts Finanzamt Löbau an. Er ließ sich allerlei Daten von ihr und ihrem Ehemann geben. Steuerzahlen, Einkommen, mögliche Steuerschulden, Bankdaten, Angaben über die Kinder und das Auto-Kennzeichen, berichtet die Abgeordnete. Zwar hatte der Anrufer die falsche Adresse der Frau und die falsche Steuernummer genannt. Dennoch gab die Sachbearbeiterin dem Kollegen hilfsbereit Auskunft. Schließlich hat die Löbauer Behörde in Rankings stets vordere Plätze als eines der freundlichsten Finanzämter belegt.Dumm nur, dass es weder eine Abteilung III noch einen Herrn Müller bei der Oberfinanzdirektion gibt, wie sich bei einem Anruf am nächsten Tag herausstellte. Der Leiter der Steuerabteilung, Ansgar König, entschuldigte sich postwendend bei der Abgeordneten, sogar Finanzminister Georg Unland (parteilos) drückte ihr sein Bedauern aus. Doch eine Anzeige gegen zwei beteiligte Mitarbeiterinnen wegen Verletzung des Steuergeheimnisses verlief im Sande. Die Staatsanwaltschaft Görlitz stellte das Verfahren ein, eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft half ebenfalls nicht. Es liege keine strafbare Handlung vor, sagte eine Sprecherin der obersten Ermittlungsbehörde, allenfalls könne es einen Verstoß gegen die Dienstanweisung geben. Denn natürlich ist die Weitergabe von Daten an Dritten streng untersagt. "Ich dachte immer, Dummheit schützt vor Strafe nicht”, sagt Günther-Schmidt verärgert. Den Klageweg will sie sich trotzdem ersparen. Dienstrechtlich sei das Verhalten der Mitarbeiterin überprüft worden, berichtet deren Chefin, Amtsleiterin Sabine Koch, ohne freilich das Ergebnis mitzuteilen. Immerhin habe der Anrufer ein korrektes Geburtsdatum genannt - das allerdings auf der Internetseite der Fraktion steht. Und er habe auf ein Informationsprogramm der Steuerverwaltung hingewiesen, was wohl auf Insiderwissen hindeuten sollte. Anschließend habe man Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, berichtet Koch. Wegen Amtsanmaßung. Außerdem sei Frau Günther-Schmidt "im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen” eine neue Sachbearbeiterin zugeteilt worden, wie die Ex-Vorsteherin des Finanzamtes noch erklärte - bevor sie jetzt an ein Dresdner Finanzamt wechselte.