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| 03:02 Uhr

Öffnung der Stasiakten – Entscheidung gegen das Schweigen

Cottbus. Mit Filmvorführungen, Lesungen und Vorträgen ist am Wochenende in Cottbus an die Öffnung der Stasiakten vor 20 Jahren erinnert worden. Zum Auftakt war am Freitagabend in der Oberkirche der Film "Gesicht zur Wand" von Stefan Weinert zu sehen. Roland Ufer

Er erzählt das Schicksal von fünf DDR-Bürgern, die wegen ihrer Überzeugungen inhaftiert wurden. Die Geschichten stünden für 72 000 ehemals inhaftierter "Republikflüchtiger" und 250 000 aus politischen Gründen eingesperrte DDR-Bürger, erläuterte der Regisseur.

Die Öffnung der Akten sei eine Entscheidung gegen das Schweigen gewesen, sagte der Leiter der Frankfurter Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde, Rüdiger Sielaff. Die Bürger hätten das so gewonnene Wissen verantwortungsvoll genutzt. Alle Befürchtungen über negative Folgen hätten sich nicht bewahrheitet. Niemand, der ernst zu nehmen sei, spreche sich für die Schließung aus.

Die weitere Auswertung sei nicht nur wegen des anhaltend hohen Interesses von Bürgern und Wissenschaftlern geboten, sagte Sielaff. "Die Dokumente bieten der ersten Generation von Jugendlichen, welche die deutsche Teilung und die Mauer nicht mehr kennengelernt haben, die Möglichkeit, die DDR, ihre Machtstrukturen und das Funktionieren einer Diktatur kennenzulernen. Auf diese Weise könnten sie verstehen, was die Herstellung von Demokratie und Freiheit für alle Menschen bedeutet."

Auf der Gemeinschaftsveranstaltung von Stasi-Unterlagenbehörde, Oberkirchengemeinde und Konrad-Adenauer-Stiftung lasen Jugendliche aus Berichten inoffizieller Mitarbeiter sowie aus Texten über Haftbedingungen, die Exmatrikulation einer Pädagogikstudentin und Zersetzungsaktionen.

Christian Booß von wissenschaftlichen Dienst der Stasiunterlagenbehörde referierte zum Stasieinfluss auf die DDR-Bezirkszeitungen. Er wandte sich gegen die Historikerthese, dieser sei gegenüber dem direkten SED-Einwirken zu vernachlässigen. Die Stasi habe eine wichtige Rolle bei der Auswahl und Überwachung der Mitarbeiter von Redaktionen, Verlagen und Druckereien gespielt sowie dort Spitzel geführt. In der "Lausitzer Rundschau" hätten überdurchschnittliche viele IM Kollegen, Volkskorrespondenten, Leserbriefschreiber und Bürger überwacht. Die Stasi-Überprüfung in der RUNDSCHAU im Jahr 2001 sei spät aber gründlich erfolgt, sagte Booß.

Drei Cottbuser sprachen über ihre Akten, Gefühle und Erkennnisse.