In der einen Flasche war sauberes Wasser von der Spreequelle, in der anderen ockerfarbene Brühe aus Spremberg. Zwei Behälter mit Spreewasser haben die Landtagsabgeordneten der Grünen, Benjamin Raschke aus Brandenburg und Franziska Schubert aus Sachsen, am Dienstag am Bundeskanzleramt abgegeben. Gemeinsam waren die Politiker auf einem Tandem von der Spreequelle bis nach Berlin geradelt, wo der Fluss bekanntlich in Spandau in die Havel mündet. Ihr Ziel: "Wir wollten auf die Spreeverockerung aufmerksam machen und in Berlin dafür werben, dass sich der Bund stärker als bisher an den Kosten für die Renaturierung beteiligt", sagt Raschke. "Ohne Geld vom Bund wird die Spree braun bleiben."

Unterwegs trafen sich die Landtagsabgeordneten mit Vertretern des Bergbausanierers LMBV, von Kommunen und Bürgerinitiativen. "An der Ruhlmühle konnte man sehen, wie die Spree plötzlich braun wird", sagt Raschke. "Da stinkt es mächtig nach faulen Eiern, da ist es gekippt." Neben dem Eisenocker interessierte beide Abgeordnete vor allem die Sulfatbelastung des Flusses. "Dagegen wird zurzeit noch viel zu wenig unternommen", sagt die sächsische Abgeordnete Schubert. "Das bleibt an den Wasserwerken hängen." In Fürstenwalde und Frankfurt (Oder) würden die Einwohner die technischen Maßnahmen zur Sulfatentfernung auch an ihren Trinkwasserpreisen spüren, sagt Benjamin Raschke. "Mir ist erst auf dieser Tour klargeworden, dass wir hier auch ein Gerechtigkeitsproblem haben: Die Kosten, um das Trinkwasser sulfatfrei zu bekommen, werden bis nach unten durchgegeben."

Die Kritik von Vattenfall an den grünen Forderungen nach Sulfatgrenzwerten im Cottbuser Ostsee wies Raschke unterdessen zurück. Die Grenzwerte fänden sich bereits in der Oberflächengewässerverordnung des Bundes, die von einem Jahresmittel von 200 Milligram Sulfat pro Liter in 90 Prozent der Gewässerproben eines Jahres ausgehe.

In Berlin wurden die Landtagsabgeordneten von ihrem Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus, Andreas Otto, empfangen. "Uns machen mögliche neue Tagebaue große Sorgen", sagte der Berliner Grüne. "Wir verlangen von unserem Senat, dass er sich mit Brandenburg über die gemeinsame Landesplanung ins Benehmen setzt, damit keine neuen Tagebaue aufgeschlossen werden und die Folgen des Kohlebergbaus nicht in unserem Trinkwasser ankommen."

Derzeit hätten die Landesregierungen in Berlin und Potsdam ein denkbar schlechtes Verhältnis miteinander. "Wir erwarten vom nächsten Senat, dass er sich da mehr ins Zeug legt." Die Länder und die Bundesregierung seien in der Pflicht, die Einleitung zu begrenzen und die Sanierung voranzutreiben.