"Kaum jemand hat ein schlechtes Gewissen, wenn wir ihn erwischen."
 Landwirt Klaus Griesbach zum Obstklau


Genaue Zahlen über die Einbußen von Landwirten liegen einer Umfrage entsprechend allerdings nicht vor, nur in seltenen Fällen werden die Diebstähle angezeigt. "Es werden aber viele Tonnen sein", schätzt Gerd Kalbitz, der auch der Obstland Dürrweitzschen AG bei Leipzig vorsteht. Auf 1600 Hektar werden hier Sauerkirschen, Erdbeeren, Äpfel und Birnen angebaut. Um Diebstahl zu vermeiden, wurde das gesamte Gelände eingezäunt. "Manchmal werden die Zäune einfach niedergetreten", so Kalbitz. Vor allem bei Äpfeln gebe es Klau in größerem Stil. Dreiste Diebe fahren Autos mit Hänger vor und laden ganze Apfelkisten um.
Der Obsthof Griesbach in Borthen bei Dresden bietet auf einem Anbaugebiet von 350 Hektar auch Obst zum Selbstpflücken an. Eine Kasse des Vertrauens gibt es nicht. "Das funktioniert leider nicht", sagt Seniorchef Klaus Griesbach. Auf den Plantagen stehen stattdessen Mitarbeiter, wiegen und kassieren.
Trotz Umzäunung sei Diebstahl immer wieder ein Ärgernis, auch wenn sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen halte. Vor allem Kirschenklau sei weit verbreitet und gelte als "Volkssport". "Kaum jemand hat ein schlechtes Gewissen, wenn wir ihn erwischen", so Griesbach.
Auch Bernhard Stolle vom gleichnamigen Obstgut in Schirgiswalde bei Bautzen beobachtet immer mehr dreiste Diebe. "Vor meinen Augen rücken sie mit Eimern und Beuteln bewaffnet an", so Stolle. Vor allem Äpfel und Kirschen seien begehrt. Jeden Abend unternimmt Stolle einen Kontrollgang mit seinem Hund. Anzeigen würden in der Regel aber nichts bringen, auch wenn er einen Dieb erwische. "Unsere Kosten bekommen wir doch nicht erstattet", so Stolle. Mundraub auf den Obstplantagen sei dagegen kein Problem, Naschen gehöre einfach zum Pflücken.