Rund und rot liegen Äpfel der Sorte "Jonagold" zu Füßen der langen Baumreihen vor den Toren Frankfurts. Erntehelfer sammeln die letzten Früchte dieses Jahres auf, die sich allerdings nur noch zum Vermosten eignen. Die eigentliche Apfelernte auf den Obstplantagen im Frankfurter Ortsteil Markendorf ist schon abgeschlossen.

Als "mittelmäßig" bezeichnet Obstbauer Thomas Bröcker den diesjährigen Ertrag. "Wir haben pro Hektar rund 30 Tonnen geerntet, dass sind etwa 80 Prozent der Vorjahresmenge", sagt der 57-Jährige, der im Namen aller 13 Frankfurter Obstbauern spricht, die sich für die Vermarktung zur Genossenschaft Markendorfer Obst zusammengeschlossen haben.

Wenige Jahre zuvor waren es noch 18 Obstbauern, die rund um Frankfurt Äpfel, Birnen, Kirschen, Erd- und Heidelbeeren anbauten. "Viele von uns haben keinen Betriebsnachfolger, also werden die Anbauflächen zusammengelegt", erläutert Bröcker. Er schätzt, dass es in zehn Jahren nur noch fünf Markendorfer Obstbaubetriebe mit der gleichen Anbaufläche von 425 Hektar geben wird.

Insgesamt werde im Land Brandenburg immer weniger Baum-Obst angebaut, sagt Bröcker, der im Vorstand des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg die Fachgruppe Obstbau leitet. Bewirtschaftet werden nach seinen Worten noch 1400 Hektar mit Kern- und Steinobst - vor allem an den klassischen Standorten rund um Frankfurt, im Havelland sowie in Wesendahl bei Berlin.

Allerdings seien das nur noch zehn Prozent der einstigen Anbaufläche kurz nach der Wende, macht der Obstbauer deutlich. "Dagegen steigen die Anbauflächen bei Erdbeeren, Heidelbeeren und Spargel", sagt er. Auf weniger Fläche werde allerdings genauso viel Baum-Obst produziert wie damals, berichtet der 57-Jährige. "Unsere einzige Chance ist die Steigerung der Flächenerträge. Um wirtschaftlich zu arbeiten, müssten beispielsweise bei Äpfeln mindestens 40 Tonnen pro Hektar geerntet werden."

Die BB Brandenburger Obst GmbH schafft das auf ihren 300 Hektar Anbaufläche in Wesendahl. Das Unternehmen hat allerdings auch kräftig investiert - in Neupflanzungen ertragreicherer Sorten, mechanische Baumschnittmaschinen, automatische Erntetechnik, wie Geschäftsführer Paolo Dallago sagt.

"Der Obstbau in Brandenburg ist in der Lage, rentabel zu produzieren, allerdings nur, wenn er den technologischen Sprung macht. Das heißt: Anbauverfahren umstellen, ertragreichere Sorten wählen und die Personalkosten bei der Ernte reduzieren", bestätigt Hilmar Schwärzel, Leiter der Obstbauversuchsstation im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg. Ein Erntehelfer schaffe pro Tag 800 bis 1000 Kilogramm, mit selbstfahrenden Erntebühnen seien hingegen bis zu zwei Tonnen drin. Die notwendige Umstrukturierung setze allerdings Kapital voraus.

"Wir Markendorfer haben nach mehreren schlechten Jahren keinerlei finanzielle Rücklagen mehr", sagt Bröcker. 2011 seien 80 Prozent der Blüten erfroren, ein Jahr später sei die Ernte verhagelt, und Feuerbrand habe sich rasend schnell auf den Obstplantagen ausgebreitet.

Und seit dem vergangenen Jahr leiden die Obstbauern unter einem gravierenden Preisverfall. "Jedem unserer Betriebe fehlen deshalb im Durchschnitt so 300 000 Euro Erlöse", erzählt der Frankfurter Obstbauer. Der Mindestlohn führe nun dazu, dass besonders arbeitsintensive Anbaukulturen wie die Sauerkirsche ganz verschwänden. Zudem müssten Apfelplantagen gerodet werden, wo Sorten standen, die speziell für den russischen Markt gedacht waren. "Aufgrund des Embargos werden wir die ja nicht mehr los", bedauert der Obstbauer.

Unter dem Strich seien die Bedingungen für den Obstbau in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eher ungünstig - da sind sich die Markendorfer und Wesendahler einig. "Der Mindestlohn ist woanders niedriger, Pflanzenschutzrichtlinien sind lockerer", skizziert Bröcker. Die Allgefahrenversicherung gegen Hagel, Frost und Sturmschäden werde in anderen Staaten gefördert, in der Bundesrepublik jedoch nicht. Aufgrund dieser Nachteile erwarteten die Obstbauern mehr Unterstützung vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium, ergänzt Dallago. "Uns steht ein großer Strukturwandel bevor, bei dem kleinbäuerliche Familienbetriebe das Nachsehen haben werden", glaubt Bröcker.