"Wenn die Kameraden sehen, dass die Feldpost kommt, bleibt alles andere liegen", sagt Diethelm Scholle, Fregattenkapitän der Reserve und ranghöchster Feldpost-Mitarbeiter. In den Sendungen sind Fotos und selbstgemalte Bilder, aber auch Lebensmittel wie Leberwurst in Dosen. "Der Kuchen von der Mutter zu Hause ist etwas anderes als das Essen an Bord. Das sind Oblaten für die Seele", sagt der Inspekteur der Streitkräftebasis Vizeadmiral Wolfram Kühn.
Der Reservist Scholle kann sich sogar noch an seine schönste Feldpost erinnern - und die hat er vor 26 Jahren erhalten. "Das war der Gruß meiner Frau zum ersten Hochzeitstag." Damals fuhr er zur See und seine Frau schickte neben einem Brief auch ein Bild von sich. Heute dient Scholle nicht mehr an Bord eines Schiffes. Er sorgt dafür, dass sich seine aktiven Kameraden genauso über Grüße aus der Heimat freuen können wie er früher.
Rund 8000 deutsche Soldaten werden das Weihnachtsfest voraussichtlich fern der Heimat verbringen müssen. Allein in der Adventszeit verschickt die Feldpost der Bundeswehr rund 1500 Briefe und Pakete pro Tag. Das sind doppelt so viele wie in der restlichen Zeit des Jahres. Im vergangenen Jahr sind 1,1 Millionen Briefe und 270 000 Pakete mit der Feldpost verschickt worden. Das entspricht dem Sendeaufkommen einer Kleinstadt mit etwa 60 000 Einwohnern. "Die Feldpost erlebt eine ungeheure Renaissance", sagt der Inspekteur der Streitkräftebasis Kühn. Einen Brief in der Hand zu halten, sei etwas anderes als am Computer eine E-Mail zu lesen.
Die Mitarbeiter der Feldpost sind bei der Deutschen Post angestellt. "Damit das Briefgeheimnis gewahrt bleibt", sagt Scholle. Wenn sie aber ihre Uniform tragen, sind sie Soldaten mit Rechten und Pflichten. Zurzeit sind alle 120 Feldpostler Reservisten. Künftig sollen aber auch alle anderen Postmitarbeiter nach einer Art militärischen Grundausbildung bei der Feldpost arbeiten dürfen. "Für mich ist das der schönste Job, den ich jemals gemacht habe", sagt Scholle.