Die von Ludwig geäußerte Wertschätzung des Landes für die Gerichte käme in den Vorgaben des Landeshaushaltes nicht zum Ausdruck. Danach sollel in den kommenden Jahren bei Gerichten und Staatsanwaltschaften weitere Juristenstellen gestrichen werden.

Friedemann Riebesel, Mitglied des Richterrates am Cottbuser Landgericht, verwies darauf, dass bereits jetzt die personelle Sollstärke nicht vorhanden sei und altersbedingt in wenigen Jahren ein Großteil der Richter in Rente gehe. Trotzdem gebe es kaum Neueinstellungen "Dieser Irrweg muss korrigiert werden", so Riebesel.

Auch Ramona Pisal legte nach. Am Landgericht fehlten derzeit vier Richter, das bedeute eine komplette Kammer. Allein an diesem Gericht wären vier Neueinstellungen jährlich nötig, so die neue Landgerichtspräsidentin. Sie verwies darauf, dass Menschen nur dann Vertrauen in den Rechtsstaat setzen werden, wenn sie längere Zeit damit gute Erfahrungen machen. Dazu gehöre, dass sie in angemessener Zeit zu ihrem Recht kämen. Die notwendigen Voraussetzungen dafür vorzuhalten sei Aufgabe des Staates.

Justizminister Stefan Ludwig erklärte auf RUNDSCHAU-Nachfrage, dass die beklagte Arbeitsverdichtung an den Gerichten der Realität entspräche. Beim mittleren Dienst müsse schon jetzt nachgesteuert werden. Bei den Richterstellen, so der Minister, sei die Grenze noch nicht erreicht. "Ich werde das aber in der Landesregierung thematisieren", kündigte er an. Es werde geprüft, ob "nachgesteuert werden muss".