Und eine deutsche Firma - Siemens - war die einzige ausländische, die genannt und dazu noch lobenswert hervorgehoben wurde und das übrigens schon zum zweiten Mal. Ansonsten wurde übrigens nur noch Apple erwähnt.

Der Kongress erlebte allerdings einen in vieler Hinsicht besonderen Auftritt des Präsidenten. Dies war alles andere als eine Regierungserklärung, es war eine Wahlkampfrede. "Das Land hat ein Recht auf eine Entscheidung" sagte er wieder und wieder. Obama will seine innenpolitischen Gegner, die Republikaner stellen. Die haben jetzt mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus noch die Möglichkeit, Obamas Vorschläge und Pläne zu verhindern. Aber in zwei Jahren müssen sie sich den Wählern stellen - genau in der Mitte der zweiten Amtszeit des Präsidenten. Und Obama will es spätestens dann wissen. Die Mehrheit der Stimmen hatten seine Demokraten diesmal überall gewonnen, aber durch das eigenwillige Wahlrecht hat sich dies nicht in den Sitzen in dieser Kammer des Kongresses niedergeschlagen. Mit seinen Vorstellungen, die aus amerikanischer Sicht einen klaren Linksruck darstellen, glaubt Obama diese Mehrheit seiner Landsleute hinter sich.

Ein Ende der Kriegseinsätze, eine Aufwertung, vor allem eine bessere Finanzierung des öffentlichen Bildungssystems, Pläne zur Verbesserung der Infrastruktur, die an unsere Konjunkturprogramme erinnern, die Forderung, den Mindestlohn zu erhöhen und eine rigorose Weigerung, Einschnitte in die Sozialsysteme zu akzeptieren - tatsächlich könnte man glauben, mit Obamas zweiter Amtszeit schreitet die Sozialdemokratisierung der amerikanischen Politik voran. Der US-Präsident sucht die Entscheidung und er geht damit einige Risiken ein.

Ausgerechnet der Streit um die Waffengesetze wurde zum gefühlsbeladenen Finale seiner Rede. Obama hat tatsächlich wenig Chancen diese Auseinandersetzung im ersten Anlauf zu gewinnen. Aber nicht nur in dieser Frage erleben die USA jetzt einen Präsidenten, der es wissen will. Seine Präsidentschaft soll nicht mit faulen Kompromissen enden - das Land soll sich entscheiden zwischen seinen Vorstellungen von einem Staat, der die Schwachen schützt und die Starken fordert und den Vorstellungen der Republikanern, die ganz grundsätzliche Bedenken haben gegen jede Art staatlicher Eingriffe in den Lauf der Dinge. Obama will eine Politik, die viele Ähnlichkeiten hat mit dem, was in Deutschland mehrheitsfähig wäre - und deswegen ist es wohl auch kein Zufall, dass er sich zweimal auf unser Land bezog. Er wagt die Kampfansage an alle die, die an einen ganz besonderen, einzigartigen Weg der USA glauben.