Ein Grund für die Skepsis in den USA ist die amerikanische Stimmungslage, in der "Free Trade" für viele Wähler zum Reizwort geworden ist. Um den Wandel zu ermessen, könnte man mit Thomas Friedman beginnen, dem preisgekrönten Kolumnisten der New York Times, der 1997 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos noch klang wie ein Triumphator. Nichts präge den Planeten derzeit mehr als die Globalisierung, sagte Friedman, und wenn man ein Land konzipieren müsste, das am besten geeignet wäre, auf diesem Planeten zu konkurrieren, dann sähe es aus wie die Vereinigten Staaten. "Die Globalisierung, das sind wir."

Trump will neue Zölle

Und heute? Donald Trump will Importe aus China mit einem 45-Prozent-Zoll belegen und stempelt die Befürworter vorangegangener Handelsverträge zu naiven Amateuren. "Alle haben uns systematisch ausgenommen", klügere Strategen im Ausland hätten die USA behandelt wie einen "dicken, dämlichen Halbstarken", wettert der Bauunternehmer. Bernie Sanders bezeichnet Nafta, das Handelsabkommen der USA mit Mexiko, als schweren Fehler, den man nicht wiederholen dürfe, indem man TPP draufsattle, die Partnerschaft mit elf Pazifik anrainern, die TTIP eigentlich vorausgehen soll, zumal darüber bereits sehr viel länger verhandelt wird als über den Pakt mit den Europäern.

Auch Hillary Clinton, von Sanders nach links gedrängt, lehnt TIPP inzwischen ab, was in ihrem Fall zynisch klingt, hatte sie die Vereinbarung doch noch den Goldstandard der Handelsverträge genannt, als sie Chefin des State Department war.

Amerikaner bangen um Jobs

Wie tief der Sinneswandel geht, lässt sich an einer aktuellen Studie des Pew-Instituts in Washington ablesen. Noch vor zwei Jahren hielten 59 Prozent der Befragten Freihandelsverträge für eine gute Sache, während 30 Prozent solche Abmachungen ablehnten. Mittlerweile ist der Anteil der Befürworter auf 51 Prozent zurückgegangen, der der Gegner auf 39 Prozent gestiegen. Hinzu kommt ein Trend, auf dem Trump zum einen aufbaut und den er zum anderen noch verstärkt: Es sind die Republikaner, die mehr und mehr zu einer Partei der Free-Trade-Skeptiker werden.

Leute, die noch vor zwei Jahrzehnten mit den Demokraten sympathisierten, sind inzwischen zu den Konservativen übergelaufen, oft ehemalige Industriearbeiter aus dem amerikanischen Kleinstadtmilieu. Und in dem Maße, wie sich die "Grand Old Party" zu einer Partei älterer weißer Männer entwickelt, wird sie anfälliger für protektionistische Tendenzen. Unter älteren weißen Männern ist die Skepsis am größten, verbinden sie mit Importen aus China, Indonesien oder Mexiko doch den Verlust der eigenen, relativ stabilen, relativ gut entlohnten Jobs in Fabriken, die es nicht mehr gibt.

Großdemo in Deutschland

Auch in Deutschland ist die Stimmung zum Freihandelsabkommen mit den USA kritisch. Mehr als 50 000 Menschen wollen während des Besuchs von Obama am Wochenende in Hannover gegen TTIP protestieren.

Auch in der Politik mehren sich die kritischen Stimmen zu Freihandelsabkommen. Der Protest richtet sich unter anderem gegen die fehlende Transparenz bei den Verhandlungen. In einigen Punkten hat die EU-Kommission, die auf europäischer Seite TTIP verhandelt, mittlerweile reagiert. Kritisierte Punkte wie die Schiedsgerichte scheinen vom Tisch. Ob das reicht, um für TTIP zu werben, ist fraglich.

Zum Thema:
US-Präsident Barack Obama wird am Sonntag gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die diesjährige Hannover Messe eröffnen. Die USA sind in diesem Jahr Partnerland der weltgrößten Technologiemesse. Zusätzlich wird es am Montag zu einem Spitzentreffen mit europäischen Staatschefs kommen.