Lange Zeit war Nuklearterrorismus fast ein Tabuthema, vorbehalten für Hollywood-Filme und politische Expertenrunden. Ein Horrorthema par excellence. "Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand die Konsequenzen tatsächlich vorstellen kann", warnt Anita Nilsson, Direktorin bei der UN-Atombehörde IAEA. Allein die schiere Fülle des Nuklearmaterials, das über dunkle Wege in die Hände von Terroristen gelangen könnte, lässt Sicherheitsexperten den Angstschweiß auf die Stirn treten. Hinzu kommt die prekäre Lage in Pakistan, die Situation in Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken. Nun soll ein Gipfel in Washington über Abhilfe beraten. Den Gipfelteilnehmern - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel - steht eine Mammutaufgabe bevor. US-Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass es weltweit rund 1600 Tonnen hochangereichertes Material gibt sowie etwa 500 Tonnen Plutonium. Immer wieder waren seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er-Jahre Versuche von Nuklearschmuggel bekanntgeworden - doch echte Alarmstimmung herrscht erst seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Längst sind es nicht nur die Waffenarsenale, die Sorge bereiten - hinzu kommen Reaktoren zur zivilen Energiegewinnung und Forschungslaboratorien. "Es gibt Dutzende Länder und Hunderte Standorte", aus denen spaltbares Material gestohlen werden könnte, meint Harvard-Professor Matthew Bunn. "Das Problem ist, das Material ist leicht zu schmuggeln und schwierig zu entdecken." US-Experten sind sich sicher, dass Al-Qaida-Mitglieder in den vergangenen Jahren bereits "mehrfach versucht haben, in den Besitz von Nuklearmaterial und Knowhow" zu gelangen. Allerdings: Ausgerechnet Iran und Nordkorea, die beiden Staaten, deren Atomambitionen die internationale Gemeinschaft am meisten umtreibt, sind die "großen Abwesenden" in Washington. Doch Insider meinen, es gehe in Washington nicht darum, "einzelne Länder vorzuführen", sondern gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. dpa/roe