"Wenn er mit den Führern der Welt an einem Tisch sitzt, gibt es den ersten wirklichen Test für seine Führungsstärke", betont der Europa-Experte Reginald Dale vom Politikinstitut CSIS in Washington. Sein "Superstar"-Image in Europa werde ihm vielleicht helfen, aber in der Sache seien Differenzen zwischen den USA und Europa unübersehbar.Dass Obama seine Wahlversprechen umsetzen will, demonstriert er seinen Landsleuten zu Hause mit einem ungemein ehrgeizigen und inzwischen zunehmend umstrittenen Reformprogramm. Aber auch außenpolitisch will Obama neue Maßstäbe setzen. Manche US-Experten fürchten, dass er sich beim G20-Gipfel und kurz darauf bei den Nato- und EU-Gipfeltreffen sowie dem Besuch der Türkei trotz allseitigen Harmoniestrebens und seines Charismas erhebliche Dämpfer einhandeln könnte.Zweifel und US-EhrgeizChina und der gerade gestürzte tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek demonstrierten jetzt, dass trotz der Popularität Obamas der Führungsanspruch der USA offen infrage gestellt wird. Topolanek etwa brachte die Skepsis in Europa über neue, milliardenschwere Konjunkturpakete auf den Punkt: Er nannte die riesigen US-Konjunkturhilfen einen "Weg in die Hölle".Aber Obama erwartet genau solche Programme von den G20-Ländern: Mit gigantischen Staatsausgaben - auf Pump - soll eine Wende in der Weltwirtschaftskrise erzielt werden. Streit über ProtektionismusBesonders heikel dürfte auf dem Gipfel in London auch die Diskussion über protektionistische Maßnahmen werden. Zwar wandten sich die G20-Führer im November geschlossen gegen solche Einschränkungen des freien Handels. Allerdings haben laut der Weltbank 17 der 20 Staaten seither eben dies getan. Einfacher könnte Einigkeit erzielt werden bei Obamas Bemühungen, strengere Regulierungen und mehr Transparenz für die Finanzbranche durchzusetzen. Hier stellt sich aber die Frage, wie eine eintägige Konferenz ohne jeden Apparat die Weichen für ein solch ambitioniertes Projekt stellen könnte - und wie lange eine Umsetzung dauern wird.