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Obama trifft Castro: Historisches Handshake beim Gipfel in Panama

US-Präsident Barack Obama (l) und Kubas Staatschef Raul Castro reichen sich am 10.12.2013 in Johannesburg die Hand. US-Präsident Obama und sein kubanischer Kollege Castro kündigten an, das Verhältnis ihrer Länder nach mehr als fünf Jahrzehnten der Feindschaft zu normalisieren.
US-Präsident Barack Obama (l) und Kubas Staatschef Raul Castro reichen sich am 10.12.2013 in Johannesburg die Hand. US-Präsident Obama und sein kubanischer Kollege Castro kündigten an, das Verhältnis ihrer Länder nach mehr als fünf Jahrzehnten der Feindschaft zu normalisieren. FOTO: dpa
Panama-Stadt. Eine Ära geht zu Ende. Ein halbes Jahrhundert dauerte die Eiszeit zwischen Kuba und den USA. Doch so richtig warm werden sich Obama und Castro beim Amerika-Gipfel wohl trotzdem nicht. Von Isaac Risco und Peer Meinert, dpa

Das Wichtigste beim "Gipfel der Amerikas" in Panama-Stadt ist natürlich der Handschlag zwischen Barack Obama und Raúl Castro (83). Zwar macht das Weiße Haus vorab noch ein Geheimnis daraus, was am Freitag und Samstag (10./11.) genau passieren wird. Offiziell ist nur von einer "Interaktion" zwischen dem Kubaner und dem Amerikaner die Rede.

Schütteln sich die Präsidenten also lediglich kamerawirksam die Hand? Gibt es einen kurzen Small-Talk? Oder kommt es nach 50 Jahren Dauerfehde zu einem ersten, echten persönlichen Meinungsaustausch? Alles noch unklar. Fest steht nur: Die im Dezember eingeleitete Annäherung soll irgendwie symbolträchtig und im Bild festgehalten werden - für die Geschichtsbücher.

Doch schon im Vorfeld des "historischen Gipfels" gibt es Ärger. Den Kubanern etwa ist übel aufgestoßen, dass so viele kubanische Dissidenten nach Panama-Stadt gekommen sind. "Das Gefühl der Entrüstung ist groß bei der kubanischen Delegation", sagte der frühere kubanische Kulturminister Abel Prieto.

Havanna stört besonders, dass sogar der Kubaner Félix Rodríguez kommen durfte, der 1967 im Auftrag der CIA den Castro-Genossen Che Guevara im bolivianischen Busch aufgespürt haben soll. "Das ist für uns sehr empörend", sagt Prieto - Rodríguez, der heute in Miami lebt, nennt er einen "Terroristen". "Che" wurde damals getötet und anschließend zum weltweiten Revolutionshelden - dass der Häscher sich heute öffentlich in Panama präsentiert, finden regimetreue Kubaner als schiere Provokation.

Tatsächlich sparen die Castro-Gegner nicht mit scharfen Tönen. Auf einer Pressekonferenz verurteilen sie Obamas Wende, im Grunde wünschen sie sich nach wie vor den Sturz des verhassten sozialistischen Castro-Regimes herbei. "Es ist eine Regierung, die sich durch die Inhaftierung Tausender Kubaner an der Macht gehalten hat", sagt Rodríguez dort.

Stress macht auch ein anderes Thema: Der Streit zwischen der linkspopulistischen Regierung in Venezuela und Washington ist wieder einmal hässlich eskaliert. Kürzlich stufte Obama die Entwicklung in Venezuela gar als "außergewöhnliche Bedrohung" für die US-Sicherheit ein - als Reaktion auf verschärftes Vorgehen gegen Regimegegner in Caracas kündigte er Sanktionen gegen führende Funktionäre an.

Seitdem lässt die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro keine Gelegenheit aus, gegen den "US-Imperialismus" zu Felde zu ziehen. Dabei kommt das Vorgehen Obamas für Maduro möglicherweise nicht einmal ungelegen: Venezuela wird wieder einmal von einer politischen und wirtschaftlichen Krise geplagt - die Angriffe Obamas bescheren Maduro Ablenkung. Und sorgen für reichlich Sympathiebekundungen in der Region.

Doch Streit und Zwist sollen den Gipfel, der von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ausgerichtet wird, nicht vermiesen. Feierlaune ist angesagt. Schließlich ist das sozialistische Kuba erstmals bei einem Amerika-Gipfel, die es seit 1994 gibt, dabei. Alle 35 Staats- und Regierungschefs der Region sind in Panama eingeladen - ein Novum in der Geschichte des Forums.

Ein halbes Jahrhundert nach der Revolution und der Enteignung amerikanischer Unternehmen in Havanna kann sich Kuba ohnehin als der Gewinner von Panama fühlen. Die OAS hatte 1962 auf Betreiben Washingtons Kubas Mitgliedschaft auf Eis gelegt. Jetzt ist der Karibikstaat, der als einer der weltweit letzten sozialistischen Staaten gilt, wieder dabei - trotz ökonomischer Dauerkrise und anhaltender Menschenrechtsverletzungen.

Tatsächlich ist Castro, der 2006 das Amt von seinem älteren Bruder Fidel (88) übernahm, und Obama im Dezember ein politischer Coup der ganz besonderen Klasse gelungen. Völlig überraschend erklärten beide das Ende der Eiszeit. Schon sehr bald soll es wieder normale Beziehungen und die Wiedereröffnung von Botschaften geben.

Die Vergangenheit soll begraben, ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Doch wann die US-Sanktionen umfassend aufgehoben werden sollen, steht in den Sternen - ob Obama und Castro am Freitag und Samstag das leidige Thema tatsächlich anschneiden, ist ebenfalls unklar.