Mal versuchte US-Präsident Barack Obama mit Humor, seinen Kontrahenten Mitt Romney als völlig unzeitgemäß hinzustellen. "Die 1980er-Jahre rufen an, um ihre Außenpolitik zurückzuverlangen, denn der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei", sagte er dem Republikaner bei der abschließenden TV-Debatte des Wahljahres höhnisch ins Gesicht.

Dann wieder bemühte der Präsident scharfe Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des Herausforderers in der Weltdiplomatie: "Jedes Mal, wenn Sie ihre Meinung sagen, liegen Sie falsch." Doch so sehr Obama rhetorisch gewitzt und politisch gekonnt angriff, er konnte seinen Widersacher trotzdem kaum aus der Reserve locken. Romney blieb cool.

Kein Schimpfen, keine Attacke

Der Republikaner schien an diesem Montagabend in Florida auf die Strategie zu bauen, einem Streit über die Außenpolitik besser aus dem Weg zu gehen. Von dem schimpfenden, attackierenden Romney der letzten beiden Debatten war kaum noch etwas zu sehen.

Stattdessen hatte er sogar das eine oder andere Lob für den Amtsinhaber übrig. Die selbst bei den Demokraten umstrittenen Drohnenangriffe auf Terroristen? Hat der Präsident "richtig" gemacht, sagte Romney. Ein US-Militäreinsatz in Syrien? Fände er auch zu gefährlich, stimmte der 65-Jährige zu. Die ambivalente Haltung des Weißen Hauses zu Pakistan? Muss so sein, denn das instabile Land "hat 100 Atomsprengköpfe".

So viel Zustimmung hatte Romney noch nie übrig für Obama. Doch es dürfte keine plötzliche Mutlosigkeit sein, die den Multimillionär zwei Wochen vor der Wahl überfallen hat. Warum auch, schließlich ist er in allen Umfragen gleichgezogen. Die Wahl am 6. November ist so knapp wie vielleicht zuletzt im Jahr 2000, als das Oberste Gericht in Washington erst nach Wochen George W. Bush zum Sieger kürte.

Romney wollte wohl nach dem extrem aggressiven Auftreten jetzt in der außenpolitischen Debatte mehr wie ein richtiger Präsident wirken, meinten TV-Kommentatoren nach der Sendung. Sachlich im Ton, moderat in den Aussagen. "Die Prinzipien des Friedens weiterhin verfolgen, die die Welt zu einem besseren Platz machen", verkündete Romney. Das klang so gar nicht nach einem Kriegstreiber à la George W. Bush, als den Obama ihn in der Debatte zeichnen wollte.

Der sonst um kein Wortgefecht verlegene Romney verwahrte sich diesmal sogar regelrecht gegen die Provokationen seines Gegenüber. "Mich anzugreifen ist keine Agenda", sagte er. Dabei war Obamas beißende Kritik an Romneys außenpolitischen Vorstellungen nicht weit hergeholt: Im Vorwahlkampf gegen parteiinterne Gegner und auch bei Wahlkampfkundgebungen war Romney immer wesentlich aggressiver – vor allem was die Möglichkeit eines Krieges gegen den Iran angeht. Doch an diesem Debattenabend beließ er es bei konservativen Standard-Phrasen. "Wir haben die Chance zu einer echten Führungsrolle in der Welt", sagte Romney. Obama dagegen habe die USA in den vergangenen vier Jahren in den Augen der Feinde geschwächt.

Zeitgleich Baseball und Football

Die Frage ist, ob Romneys Debatten-Strategie aufgeht. Nach Schnellumfragen unter Fernsehzuschauern hat er das Duell mit seiner defensiven Haltung verloren. Doch Experten meinen, dass sich dieses dritte Aufeinandertreffen mit dem für Amerikaner weniger interessanten Thema Außenpolitik sowieso nicht mehr allzu sehr auf die Wahl auswirken werde. Zumal zugleich ein wichtiges Baseball-Halbfinale und ein spannendes American-Football-Match der Einschaltquote kräftig geschadet haben dürften. Die "Washington Post" sah lediglich einen "technischen Sieg" Obamas. Das unabhängige "National Journal" bilanzierte nach der TV-Debatte: "Obama gewann das dritte Spiel, aber Mitt Romney gewinnt die ganze Serie."

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Für Stimmung sorgten "Pferde und Bajonette". Damit stellte Barack Obama Mitt Romneys Militärkompetenz infrage. Dieser sagte, die US-Marine sei kleiner als 1917. Obama entgegnete: "Wir haben auch weniger Pferde und Bajonette, weil sich das Wesen unseres Militärs geändert hat." Das wurde danach mehr als 60 000-Mal pro Minute getwittert.