Professionell angeleitetes Tanzen in der Freizeit bleibt in Brandenburg beliebt. Viele Tanzschulen im Land verzeichnen seit Jahren konstante Teilnehmerzahlen in ihren Kursen, wie eine Umfrage ergab.

Sowohl unter Jugendlichen als auch bei Senioren stößt das Angebot nach wie vor auf großes Interesse. Für einige Tänze gibt es sogar Wartelisten. Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbands (ADTV) haben bundesweit viele Tanzschulen die Rückgänge in den Jahren 2008 und 2009 gut verkraftet. Damals hätten viele Häuser die Auswirkungen der Finanzkrise bei den Anmeldezahlen gespürt.

Mehr als 1000 Menschen lernen pro Jahr in der Tanzschule Schier-Rösel in Wittenberge (Prignitz) tanzen. Rodney Rösel, einer von drei Inhabern, spricht von einer insgesamt hohen Nachfrage. "Viele nutzen die Kurse als Ausgleich für ihre sitzende Tätigkeit im Büro", erläuterte er. Aber auch viele Schüler buchten Kurse, um bei Abschlussbällen ihrer Schulen eine gute Figur auf der Tanzfläche machen zu können. Davon berichten auch Tanzschulen in anderen Regionen Brandenburgs.

Der Tanzsportclub Uckermark hat zum Beispiel Kooperationen mit Schulen in der Region abgeschlossen. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Klaus Ackermann können Schüler der Klassenstufe sieben Tanzen als Schul-AG wählen. In der achten Klasse sei es dann Bestandteil des Sportunterrichts. Sein Unterricht sei zugleich "eine Benimm-Schule", sagte er: "Jungs lernen zum Beispiel, wie sie mit Damen richtig umgehen und wann ich ihr am Tisch den Stuhl beiseite rücke." Viele Umgangsformen seien aber auch hilfreich für das Miteinander auf dem Schulhof. Der Verein selbst zählt 34 Erwachsene und sechs Kinder zu seinen Mitgliedern.

In Brandenburg gibt es auch etliche Tanzvereine, die sich speziell an Senioren richten. Solche Angebote haben auch Tanzschulen in ihr Programm aufgenommen. Laut Tanzlehrerverband gibt es in vielen Regionen Deutschlands mehr Zulauf von Jugendlichen und älteren Menschen ab 60 Jahren als von der mittleren Generation, sagte ein Sprecher und ergänzte: "Ansonsten hätten wir den demografischen Wandel längst gemerkt."

Mit bundesweit 750 Tanzschulen ist der ADTV nach eigenen Angaben der größte unter den Tanzschulverbänden in Deutschland. Mehr als zwei Millionen Menschen erreichen seine Mitglieder pro Jahr. Statistiken zu genauen Teilnehmerzahlen an Kursen in Brandenburg liegen nicht vor. Die Tanzschulen arbeiten unabhängig und müssen keine Daten an Verbände melden.

Von einer leichten Zunahme bei den Anmeldungen spricht Sandra Lehmann von der Tanzschule Linksfüßer in Potsdam. Vier von fünf Kursen, die in gut drei Wochen starten sollen, seien bereits ausgebucht. Ihr bislang ältester Schüler ist nach Lehmanns Worten ein 80-Jähriger gewesen. Ein solch hohes Alter sei aber die Ausnahme. Seit Jahren gefragt seien Paartänze. "Der West Coast Swing ist im Kommen", sagte Lehmann. Im Tanz- und Turnschuppen in Brandenburg an der Havel sind seit mehreren Jahren Tänze wie Linedance und Disco Fox der Renner.

Nach Einschätzung von Rodney Rösel bestimmten bis vor wenigen Jahren noch Fernsehshows wie "Let's Dance", welche Tänze in den Tanzschulen angesagt sind. "Inzwischen sind Internetportale wie Youtube Trendgeber", erklärte er. Nach Ansicht von Klaus Ackermann spielt das Radio nach wie vor eine große Rolle: "Was dort rauf und runter gespielt wird, danach wollen viele tanzen."

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Auch in Sachsen zieht es wieder mehr junge Menschen auf das Tanzparkett. Zudem sind auch Knigge und Benimm-Kurse gefragt, ergab die Umfrage. Nach den geburtenschwachen Jahrgängen sei nun wieder ein leichter Aufwärtstrend spürbar, sagte Christian Götsch vom ADTV. Junge Tanzschüler würden vor allem durch das Tanzschuljahr in der neunten Klasse erreicht. In Sachsen sind insgesamt 27 Tanzschulen Mitglied im ADTV.