Der Kunsthandwerker fertigt die erzgebirgischen Traditionsfiguren das ganze Jahr über und hat die Adventszeit so auch zwölf Monate im Jahr.
Die ganzjährige Weihnachts-Dekoration vor Augen wird Meister-Gerstenberg niemals zu viel, wie er betont. "Weihnachten im Erzgebirge ist etwas ganz Besonderes", schwärmt er, "man kommt im Dunkeln nach Hause, sieht die warmen Lichter der Kerzen in den Fenstern und fühlt sich geborgen." Auch wenn man es dem 58-jährigen Rauschebart im ersten Moment nicht unbedingt anmerkt - er stammt aus dem Erzgebirge und hängt noch heute sehr an seiner alten Heimat. "Schon als Kind habe ich geschnitzt und gedrechselt", erinnert er sich.
Dass er dieses Handwerk versteht, sieht der Laie spätestens beim Anblick der gedrechselten Lichterspinnen, der besonderen Spezialität Meister-Gerstenbergs aus mehr als 500 Einzelteilen. Die von der Decke hängende Mischung aus Pyramide und Kronleuchter, dekoriert mit vielen gedrechselten Figuren und Holzperlenketten, gibt es in verschiedenen Größen. "Mit Kerzen bestückt und drehend, erzeugt sie wunderbare Licht- und Schattenspiele in der ansonsten dunklen Stube", schwärmt der Holzkünstler.
Dabei sollte Meister-Gerstenberg seine Laufbahn zunächst in eine ganz andere Richtung einschlagen. Er lernte Stickereizeichner, machte zudem eine Schneiderlehre und ging Mitte der 70er-Jahre zum Modedesign-Studium an die Berliner Kunsthochschule. Schließlich war er soweit, in der Hauptstadt ein eigenes Modeatelier zu eröffnen, da machte ihm die Wende einen Strich durch die Rechnung. "Beim ersten Besuch im Westen bekam ich einen Eindruck von der immensen Konkurrenz und ließ meine Pläne fallen."
Stattdessen konzentrierte sich Meister-Gerstenberg ganz auf die Gestaltung des für ihn liebsten Werkstoffes Holz. Buche eigene sich besonders gut zum Drechseln, Linde und Erle zum Schnitzen, einige Teile werden auch aus Birkensperrholz gefertigt, erklärt der Fachmann, der vor neun Jahren die Großstadt verließ um, in Blumberg vor den Toren Berlins seine Werkstatt aufzubauen. "Ich brauche eine ruhige, ländliche Atmosphäre zum Arbeiten", erklärt er. Dann kann sich der 58-Jährige ungestört dem alten Handwerk widmen, wie es schon Jahrhunderte zuvor die Bergleute taten, wenn mal wieder eine Erzader erschöpft war und sie sich mit Schnitzen und Drechseln etwas dazuverdienen mussten.
Die wahre Passion des Barnimer Künstlers versteckt sich jedoch in einem Hinterzimmer seiner Werkstatt. Dort sägt, schnitzt und feilt er bereits seit mehreren Jahren am sechs Meter langen und 1,50 Meter hohem Modell eines Bergwerkes aus dem Erzgebirge um 1850. Der Querschnitt durch den Fastenberg nahe Meister-Gerstenbergs Heimatort Johanngeorgenstadt erfasst mehrere Hundert Jahre Bergbaugeschichte.
Etwa 80 bewegliche Figuren schürfen, schlagen und transportieren das Erz. Mit diesem noch vollständig zu mechanisierendem Lebenswerk erfüllt sich der Exil-Erzgebirgler einen Kindheitstraum. Kontakt unter Tel. 033394/70188