Aufgabenstellungen wie diese laden dazu ein, sich in die Zukunft hineinzuträumen. Dann freuen wir uns schnell über komfortable Lebensumstände - ohne dass wir dafür mit anpacken müssen. Dann sehen wir gute Arbeitsplätze - ohne Produktion. Und dann profitieren wir von einem intakten gesellschaftlichen Gefüge - ohne uns selbst groß einbringen zu müssen.

Wirklich schön an der Aufgabe ist indes, dass alle die gleichen Bedingungen haben. Denn wie die Lausitz 2030 dastehen wird, weiß ich genauso wenig wie ein Ministerpräsident oder Sie als Leser dieser Debattenbeiträge. Und doch gibt es Dinge, die wir wissen können: Auch 2030 wird kein Unternehmer ein Geschäft betreiben, bei dem er nicht das Geld verdient, mit dem er seine Mitarbeiter und die Investitionen bezahlt. Auch 2030 werden sich Firmen nur dann behaupten, wenn sie kluge, motivierte Köpfe an Bord haben. Auch 2030 werden wir nur dann Industriebetriebe hier sehen, wenn ihnen zuverlässig und bezahlbar Energie geliefert wird. Und schließlich wird auch 2030 eine Region umso erfolgreicher sein, je besser die Aktivitäten von Verbänden, Hochschulen und Wirtschaftsförderern ineinander greifen. Das gelingt zurzeit nur mäßig und das zu ändern, darin besteht die größte Herausforderung der Lausitz.

Damit die Lausitz auch 2030 noch Wirtschaft- und Industrieregion ist, müssen wir heute die Weichen stellen. An Potenzial mangelt es nicht. So bietet der Braunkohlenbergbau noch Jahrzehnte eine stabile Grundlage für regionale Wertschöpfung. Zugleich schaffen Ingenieure mit weltweit führendem Know-how attraktive neue Landschaften. Die Industriedichte in den Bereichen Metall- und Maschinenbau, Kunststoff und Chemie ist hoch. Innovationskraft ist vorhanden.

An vielen und guten Ratschlägen mangelt es nicht. In der Lausitz sind wir Weltmeister im Feststellen. Was fehlt, sind Umsetzungsvorschläge. Potenzial ist also da, wir müssen es aber nutzen. Dafür erscheint es mir sinnvoll, dass die engagierten Menschen in der Region besser zusammenarbeiten.

Die vielen guten Initiativen erhalten mehr Schlagkraft, wenn sie ihre Kräfte bündeln. Dabei sollte auch vor strafferen Strukturen nicht zurückgeschreckt werden - nicht nur im Hinblick auf die öffentlichen Einrichtungen. Auch die Initiativen, Vereine und Verbände sind hier gefordert. Und wir müssen dringend lernen, uns als Region besser zu präsentieren.

Wenn uns das gelingt, schärfen sich auch für mich die Konturen der Lausitz 2030. Dann sehe ich eine Region, die bekannt dafür ist, dass sie mit einer verlässlichen Partnerschaft zwischen der Braunkohle und den Erneuerbaren ihren Beitrag leistet für die bundesweite Energieversorgung. Dann sehe ich eine Region, die Menschen überall neugierig darauf macht, wie sich Landschaften wandeln und gestalten lassen. Und ich sehe eine Region mit einer vielfältigen und selbstbewussten Unternehmerschaft, in der Menschen gerne arbeiten und leben.

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Zum Thema:
Michael von Bronk ist Vorsitzender des Vorstandes der Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V. (WiL). WiL ist ein Zusammenschluss von Lausitzer Unternehmen und versteht sich als länder- und branchenübergreifende Aktions- und Netzwerkplattform. Von Bronk ist Mitglied des Vorstandes der Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Zum Thema:
Erschienen sind schon Beiträge der Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Stanislaw Tillich, von Landrat Harald Altekrüger und dem Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus Wolfgang Krüger. Weitere Beiträge finden Sie auf unserer Homepage. Demnächst melden sich Christian Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG, und Norman Müller, Geschäftsführer der Energieregion Lausitz, zu Wort.