Mit diesem Thema beteiligt sich die Klöppelschule des Kulturzentrums "Erzhammer" Annaberg-Buchholz an den diesjährigen Erzgebirgischen Jugendkulturtagen. Ganz zufrieden ist Manuela Fischer mit Lisas Arbeit nicht. "Du musst noch eine Reihe machen", sagt die Kursleiterin und weist auf die unter der Arbeit aufgesteckte Vorlage.

In einem sind sich die Mädchen einig: Am nervigsten sind das Garnaufwickeln, das Fädenanknüpfen und die Abschlüsse. Aber sonst mache das Klöppeln großen Spaß und sei "nicht so richtig schwierig", sagt die neben Lisa arbeitende Helene. Sie hat die Klöppelschule während eines Wandertages kennengelernt und sich daraufhin angemeldet.

Während früher die Spitzenfertigung von Generation zu Generation weitergetragen wurde und als Broterwerb diente, ist es heute ein Hobby. Dabei gilt das Erzgebirge als älteste und aktivste Klöppelregion Deutschlands, wie Sonnhild Grämer vom Vorstand des Deutschen Klöppelverbandes sagt. Der Verband geht von etwa 20 000 Menschen aus, die dort das Drehen und Kreuzen der feinen Fäden beherrschen.

Zumeist sind es Frauen und Mädchen. Auch in Lisas und Helenes Kurs ist der einzige Junge abgesprungen. Kursleiterin Fischer, die auch Vorsitzende des Sächsisch-Erzgebirgischen Klöppelverbandes ist, hat rund 40 Gruppen ausgemacht. Die Besonderheit der hiesigen Klöppelei gegenüber Franken, Schwäbischer Alb, Österreich oder der Schweiz bestehe darin, dass im Erzgebirge die sogenannten Klöppelbriefe relativ frei interpretiert würden.

In anderen Regionen gäben verschiedenfarbige Vordrucke den jeweiligen Arbeitsgang vor. Auch der runde Klöppelsack anstelle eines flachen Kissens und Klöppel mit Hülsen seien eine erzgebirgische Besonderheit. Fischer gehörte zu den ersten Lehrlingen, die in der DDR beim VEB Handklöppelspitze Schwarzenberg ausgebildet wurden. Leider sei die spätere Spitzenmanufaktur 1991 eingegangen, sagt sie. Doch seit Neuestem gibt es in Sachsen eine Fortbildung "Fachkraft für Klöppeltechnik".

Vieles von dem, was das alte Textilgewerk heute ausmacht, ist von Freitag bis Sonntag in Annaberg-Buchholz zu erleben. Der Deutsche Klöppelverband kommt anlässlich des zu Ende gehenden Jubiläumsjahres "450 Jahre Klöppeln im Erzgebirge" in der Klöppelstadt zu seinem jährlichen Kongress zusammen und feiert sein 30-jähriges Bestehen. Sonnhild Grämer hofft auf mehr als 3700 Teilnehmer.