"Was ist mit dem Bums"? Diese Frage, zu lesen in einer SMS an einen Geheimdienst-V-Mann aus der rechtsextremen Szene, beschäftigte den NSU-Prozess schon vor der Sommerpause - und wird ihn auch danach beschäftigen. Ermittler vermuten, dass mit "Bums" eine Waffe gemeint ist, die für den "Nationalsozialistischen Untergrund" beschafft werden sollte. Am morgigen Mittwoch will das Münchner Oberlandesgericht (OLG) das Mammutverfahren gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Terrorhelfer nach vierwöchiger Unterbrechung fortsetzen. Mehr als zweieinhalb Jahre dauert es schon. Für ein weiteres Jahr hat das Gericht vorsorglich Termine geplant.

"Wir haben alle wesentlichen Komplexe durch", sagte Bundesanwalt Herbert Diemer am letzten Prozesstag vor den Ferien. "Angefangen von den Morden über die Sprengstoffanschläge, die Brandstiftung in der Frühlingstraße (der Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau) und auch die Raubüberfälle." In allen Punkten ist Zschäpe als Mittäterin angeklagt und muss laut Diemer mit einer Verurteilung rechnen. "Bisher haben sich aus meiner Sicht unsere Ermittlungen in der Beweisaufnahme voll widergespiegelt", sagte der Ankläger.

Was jetzt noch folge, das seien "viele Kleinigkeiten". Wie lange das dauere, könne man nicht voraussagen. Es gebe "keinen Zeugen, der uns sagen kann: So und so war es", sondern nur Indizien. Ein weiteres Problem: Es geht um einen sehr langen Zeitraum - 13 Jahre ab 1998, die das mutmaßliche NSU-Trio im Untergrund lebte. Dazu kommt die Zeit seit Beginn der 90er-Jahre, als die Szene sich radikalisierte.

Auch damals gab es eine Serie von Brandanschlägen gegen Flüchtlingsunterkünfte und Aufmärsche von Rechtsextremisten. Auch Zschäpe nahm an solchen Demonstrationen teil, wie Fotos zeigen, die als Beweismittel im Gericht gezeigt wurden.

Aus dem Jahr 1998 stammt die SMS "mit dem Bums". Es handelt um eines der vielen ungelösten Rätsel um die Arbeit der Geheimdienste in der rechtsextremen Szene. Empfänger war der V-Mann mit dem Decknamen "Piatto". Der spähte damals für den brandenburgischen Verfassungsschutz die Unterstützerszene in Chemnitz aus, wo das Trio zunächst Unterschlupf fand.

"Piatto" und sein V-Mann-Führer wurden dazu schon vor Gericht befragt. Der Beamte blätterte dabei häufig in einem Aktenordner, den das Gericht nach hitziger Debatte an einem der letzten Verhandlungstage vor der Sommerpause im Saal sicherstellte.

Der aber darf nun doch nicht als Beweismittel verwendet werden. Brandenburgs Innenministerium schickte jüngst einen Sperrvermerk. Den begründete es mit "dem öffentlichen Interesse an der Vermeidung drohender Nachteile für die künftige Erfüllung der Aufgaben der Sicherheitsbehörden". Das Ministerium nannte ausdrücklich die "Nebenkläger", die sonst "Einblick in die Unterlagen erhalten" würden, also die Anwälte der Terroropfer und ihrer Familien.

Zum Thema:
Das ZDF hat ein Doku-Drama über Beate Zschäpe und die rechtsextreme Terrorzelle NSU abgedreht. Der Film trägt den Arbeitstitel "Letzte Ausfahrt Jena", wie das ZDF am Montag in Mainz mitteilte. Ein Ausstrahlungsdatum steht noch nicht fest. Zschäpe stammt aus Jena. dpa/bl