Bisher vertraut die Bevölkerung dieser Regierung. Allerdings, nur die CDU als Kanzlerin-Partei heimst dafür die Punkte ein. Pech für die SPD.

Die Stars:

Angela Merkel (CDU). Sie ist die Notarin des Koalitionsvertrages. Sorgt dafür, dass alle Kompromisse auch eingehalten werden. Eigene Gestaltung? Fehlanzeige. Das war schon in den Koalitionsverhandlungen so. Heimst aber die Erfolge ein. Eine echte Leistungsträgerin ist sie in der Außenpolitik. Hart, aber besonnen gegenüber Putin, Antreiberin von Reformen in der EU.

Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ist in der Außenpolitik Merkels kongenialer Partner, beide zusammen sind ein Dreamteam. Zeigt einen unglaublichen physischen Einsatz und viel Fingerspitzengefühl. Steinmeier ist die personifizierte gewachsene Verantwortung Deutschlands in der Welt. Versucht alles, um Konflikte diplomatisch zu lösen. Nicht immer erfolgreich, aber dafür kann er nicht.

Wolfgang Schäuble (CDU). Die schwarze Null steht: Der Bund macht im nächsten Jahr zum ersten Mal seit 1969 keine neue Schulden. Das hat Schäuble zäh verteidigt. Bei den Steuern hat sich der Finanzminister dagegen selbst in eine Falle manövriert: Keinerlei Steuererhöhung bedeutet auch keinerlei Gestaltungsmöglichkeiten.

Sigmar Gabriel (SPD). Er hat die SPD mit der Großen Koalition versöhnt und sorgt dafür, dass sie sich nicht als bloßer Juniorpartner fühlt, sondern ruhig mitregiert. Hat zudem die EEG-Reform gemeistert. Allerdings, seine industriefreundliche Politik und sein Nein zur Vermögenssteuer sorgen für innerparteilichen Verdruss.

Ursula von der Leyen (CDU). Die einstige Senkrechtstarterin befindet sich derzeit eher im Sinkflug. Sie musste die Altlasten einer ziemlich maroden Bundeswehr übernehmen. Die ging sie zwar systematisch an, dafür preschte sie in der Außen- und Sicherheitspolitik oft unsystematisch und überehrgeizig vor.

Andrea Nahles (SPD). Ist innenpolitisch die Matchwinnerin des Jahres, denn es waren zumeist ihre Themen, die umgesetzt wurden. Allen voran der Mindestlohn und die Rente mit 63. Hat sich beim Tarifeinheits-Gesetz sogar mit den Gewerkschaften angelegt, häutet sich gerade zur Mainstream-Sozialdemokratin.

Die Mitläufer:

Drei stechen positiv hervor: Gerd Müller (CSU) hat der Entwicklungspolitik nach den Faxen von Vorgänger Dirk Niebel (FDP) wieder seriöses Gewicht im Kabinett gegeben. Er kümmert sich sehr engagiert um die Situation der Flüchtlinge.

Heiko Maas (SPD) ist nach Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wieder ein Justizminister, der nicht nur verhindern will, sondern selbst zu gestalten versucht. Mit dem Verbraucherschutz hat er dafür ein gutes Thema. Sein Gegenüber bei der Union, Thomas de Maizière, hat sich im abgelaufenen Jahr öffentlich hingegen sehr zurückgenommen. Führt sein Ressort aber souverän.

Ein Mauerblümchen ist Johanna Wanka. Real hat sie sehr viel für Bildung und Forschung erreicht, etwa die Bafög-Reform oder den Hochschulpakt, aber sie glänzt damit nicht. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat im Wesentlichen nur die Frauenquote vorzuweisen, und die stand im Koalitionsvertrag.

Bei Alexander Dobrindt (CSU) steht genauso nur die zuvor bereits verabredete Pkw-Maut auf der Haben-Seite, aber das noch nicht einmal sicher. Über diese Themen hinaus haben beide wenig Wirkung. Hermann Gröhe (CDU, Gesundheit) und Christian Schmidt (CSU, Agar) sind solide Ressortchefs, aber ebenfalls ohne große Ausstrahlung. Keine glückliche Figur im Kabinett machte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Fast der Bewertung entzieht sich Peter Altmaier (CDU), der Kanzleramtsminister. Denn er tut das, was ein Kanzleramtsminister tun muss: Hinter den Kulissen Konflikte moderieren und in der Öffentlichkeit schweigen. Gerade dem redseligen Saarländer fiel das schwer, aber er hat es geschafft.