Die Geologie unter dem Meeresgrund biete günstige Bedingungen für die Speicherung von Kohlendioxid mit CCS-Technik, hieß es am Dienstag aus Kommissionskreisen in Brüssel. Die Kommission geht schon seit Längerem davon aus, dass ähnlich wie bei der Atomkraft abgeschiedenes Kohlendioxid meist nicht an dem Ort gelagert werden wird, wo es anfällt, sondern mit Pipelines dorthin transportiert werden muss. Weil die Öffentlichkeit in einigen Mitgliedsländern wie Deutschland und den Niederlanden die CCS-Technik kritisch sehe, würden sich mehrere Staaten, darunter die Niederlande, bereits auf die mögliche Lagerung unter dem Meer konzentrieren, hieß es weiter.

Bei der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) wird das klimaschädliche CO{-2} aus Abgasen von Industrieanlagen und Kohlekraftwerken abgetrennt und unterirdisch gespeichert, um es von der Atmosphäre fernzuhalten. Kritiker halten das Verfahren für gefährlich. Die EU hingegen fördert es, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Ein Forschungsprojekt an der Universität Kiel, das von Brüssel mitfinanziert wird, untersucht die Speicherung unter dem Meeresgrund.

In Berlin berät derzeit der Vermittlungsausschuss über ein neues CCS-Gesetz. Im September hatte sich eine Mehrheit im Bundesrat gegen das Gesetz zur Erprobung der CCS-Technologie ausgesprochen.

Auf die Idee einer zentralen europäischen Lösung zur unterirdischen Lagerung von abgeschiedenem Kohlendioxid setzt auch der Energiekonzern Vattenfall Europe. Vor wenigen Tagen erst hatte der Deutschlandchef von Vattenfall, Tuomo J. Hattaka, bekanntgegeben, dass der Plan für ein CCS-Demonstrationskraftwerk in Jänschwalde (Spree-Neiße) aufgegeben, an der Absicht eines Kraftwerksneubaus nach 2020 an diesem Standort jedoch festgehalten werden soll.

Dieses Braunkohlekraftwerk solle mit CCS-Technik ausgestattet sein. Voraussetzung dafür wäre jedoch ein sicherer Speicherplatz für das abgeschiedene Kohlendioxid. Auf dem deutschen Festland wird so ein Platz vermutlich nicht gefunden werden, weil in den geologisch geeigneten Gebieten in Norddeutschland der Widerstand gegen diese Technik sehr groß ist.