Das Staatsfernsehen des abgeschotteten kommunistischen Landes wurde nach dem Tod des langjährigen Alleinherrschers Kim Jong Il nicht müde, die Trauer demonstrativ nach außen zu zeigen. Am Mittwoch dann der Höhepunkt: Zehn-, wenn nicht Hunderttausende von trauernden Menschen säumten die Straßen, um dem Ex-Diktator das letzte Geleit zu geben. Menschen schlugen sich dabei mit der Hand auf die Brust und zuckten scheinbar ekstatisch vor Seelenschmerz.

Viele fragen sich angesichts der strikten Reisebeschränkungen, des täglichen Existenzkampfs und der allgemein schlechten Lebensbedingungen im Land, für die Kim Jong Il mitverantwortlich war: Ist das tief empfundene Trauer oder ist sie inszeniert?

Beobachter in Südkorea sagen, dass es sich um ein vielschichtiges Phänomen handele. Man dürfe es nicht mit westlichen Maßstäben sehen. Auch im modernen Südkorea sei das demonstrative Wehklagen als Teil der konfuzianischen Tradition nicht unbekannt. Viele Nordkoreaner sind zudem nach dem Tod Kim Jong Ils – des erst zweiten Machthabers in der Geschichte der Volksrepublik – verunsichert, glauben Experten.

Sein jüngster Sohn und Nachfolger Kim Jong Un ist nicht nur unerfahren, sondern weitgehend auch noch unbekannt. In den Medien wird sein Leben schon wie das seiner Vorgänger weitgehend verklärt. So sei er der „vom Himmel gesandte neue Führer“.

Kim Jong Il war wie sein Vater Kim Il Sung nicht nur oberster Machthaber. Für viele war er auch „Vater der Nation“. Allerdings hatte Kim Jong Il trotz des ihn umgebenden und geerbten Personenkults schon nicht mehr das gottgleiche Ansehen wie sein Vater. „Viele Menschen bewunderten Kim Il Sung als spirituelles Zentrum“, sagt Kim Tae Jin, der vor mehr als zehn Jahren nach Südkorea geflüchtet war. Aber schon als Kim Il Sung 1994 gestorben sei, seien viele Bürger irritiert gewesen, als sie zu öffentlichen Trauerbekundungen gezwungen worden seien, sagt er. Angesichts der Szenen nach dem Tod von Kim Jong Il sei es sein Gefühl gewesen, dass die Massentrauer eine Show gewesen sei – „eine gut organisierte Veranstaltung“.