Mit der Ausweisung der IAEA-Inspektoren, der Wiederaufnahme seines Atomprogramms und der Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrags habe Pjöngjang seine internationalen Verpflichtungen verletzt, sagte er gestern in Wien. Nordkorea wies internationale Vermittlungsbemühungen kategorisch zurück.
Pjöngjang mache sich mit seinem Vorgehen der Vertragsverletzung schuldig, sagte Baradei. Er habe dem IAEA-Verwaltungsrat deshalb die Empfehlung gegeben, den UN-Sicherheitsrat einzuschalten. Sollte der Verwaltungsrat dieser Einschätzung folgen, wäre automatisch der UN-Sicherheitsrat involviert. Dafür hatte sich auch Washington wiederholt eingesetzt.
Nordkorea kündigte jedoch an, mögliche Sanktionen der Uno als "Kriegserklärung" zu betrachten.
Pjöngjang könne "binnen sechs Monaten eine bedeutende Menge" atomwaffenfähiges Material produzieren, warnte Baradei. US-Satellitenfotos zeigen einem Zeitungsbericht zufolge, dass von dem nordkoreanischen Atomkomplex Yongbyon, der bis zu ihrer Ausweisung von den IAEA-Inspektoren überwacht worden war, 8000 Brennstäbe abtransportiert wurden. Damit wolle die Führung in Pjöngjang das Material entweder verstecken oder zur Gewinnung atomwaffenfähigen Plutoniums in eine Wiederaufbereitungsanlage bringen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.
"Die einzige Lösung für die Nuklear-Frage auf der koreanischen Halbinsel ist die Verabschiedung eines verbindlichen Nichtangriffspakts durch den US-Kongress", sagte Nordkoreas Botschafter Choe Jin Su . "Wir werden niemals an irgendeiner Form von multilateralen Gesprächen teilnehmen." Sollten die USA ihre "feindliche Politik" aufgeben, sei Nordkorea bereit, auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. (dpa/uf)