Danach haben die Parteien bis zum 26. März Zeit, sich über die Einsetzung einer autonomen Regierung zu einigen. Falls alles nach Plan läuft, wäre Nordirland erstmals seit Oktober 2002 politisch wieder weitgehend unabhängig von London.
Die Regierungschefs Großbritanniens und Irlands, Tony Blair und Bertie Ahern, hatten die Politiker der Provinz mehrfach davor gewarnt, diesmal die Chance für eine friedliche Überwindung des Konflikts verstreichen zu lassen. Erst Ende Januar hatte die pro-irische Katholikenpartei Sinn Fein das vorerst letzte Hindernis beseitigt. In einem als historisch bewerteten Beschluss stimmte die Partei mit großer Mehrheit dafür, die in Nordirland bestehenden Polizei- und Justizstrukturen vollständig anzuerkennen. Die Katholiken von Sinn Fein hatten dies zuvor stets mit dem Hinweis auf ihr Misstrauen gegen die enge Verquickung zwischen Polizei und Protestanten abgelehnt.

Wiedervereinigung als Ziel
Die andere große potenzielle Regierungspartei, die pro-britische Democratic Unionist Party (DUP) des Pfarrers Ian Paisley, hatte die gemeinsame Sicherung von Recht und Ordnung als wesentliche Voraussetzung für ein Regierungsbündnis eingefordert. Sinn- Fein- Chef Gerry Adams indes machte keinen Hehl daraus, dass er das Zugeständnis seiner Partei in Fragen der Sicherheit als einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Ziel der irischen Wiedervereinigung interpretiert. "Die Partei hat bewiesen, dass sie die Vision, Entschlossenheit und Fähigkeit hat, ein neues Irland aufzubauen." Paisley aber verlangte prompt, dass den Worten von Sinn Fein im Polizeialltag auch "Taten folgen" müssten.
Nur wenige Tage vor der Wahl haben sich beide Parteien noch einmal scharf kritisiert. Paisley nannte die Zustimmung zur Polizeikontrolle unzureichend. Sinn Fein habe ihre Anhänger anscheinend angewiesen, die Polizei nur bei der Lösung bestimmter Verbrechen zu unterstützen. Seien Mitglieder oder Anhänger der früheren Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) verwickelt, würde die Hilfe vorenthalten. Sinn Fein galt seit Jahrzehnten als der politische Arm der IRA.
Deshalb habe Sinn Fein noch eine Wegstrecke zurückzulegen, meinte der 80-jährige Paisley. Sinn-Fein-Führungsmitglied Martin McGuinness warf Paisley und seiner Partei vor, einer künftigen Machtteilung in der Provinz "halbherzig" gegenüberzustehen.

Letzter Autonomie-Versuch
Der jüngste Anlauf zur Regierungsbildung gilt als offenbar letzter Versuch, in Nordirland laut dem Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 eine autonome Regierung einzusetzen. Die letzte Regionalregierung war Ende 2002 im Streit zwischen der DUP und Sinn Fein auseinandergebrochen. Klappt die Regierungsbildung auch diesmal nicht, droht Nordirland wieder für unabsehbar lange Zeit die direkte Kontrolle durch die britische Regierung.